Steiermark ist das Trendland bei Nationalrats-Wahlen

1. Oktober 2006, 18:07
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Rang 1, 2 und 3 im Land seit 1945 immer gleich wie in ganz Österreich

Wien - Die Steiermark ist das Trendland bei Nationalratswahlen: Seit 1945 haben die Steirer ÖVP, SPÖ und FPÖ bei jeder der bisher 18 Wahlen genau entsprechend dem österreichweiten Stärkeverhältnis gereiht. Das obwohl im Land so gut wie immer die ÖVP vorne lag - bis zur vorigen Landtagswahl 2005. Ob sich der Machtwechsel zur SPÖ - wie er 2004 auch in Salzburg der Fall war - auch im Nationalrats-Ergebnis widerspiegeln wird, lässt sich nicht abschätzen.

Burgenland

Im Burgenland war das - allerdings mit größerer Verzögerung - der Fall: Dort verdrängte die SPÖ bei der Landtagswahl 1964 die bis dahin immer stimmenstärkste ÖVP und hielt bis heute den ersten Platz. Bei der NR-Wahl 1966 blieb noch die ÖVP vorne, aber seit 1970 ist die SPÖ im Burgenland durchgehend die stärkste Kraft. In Kärnten schlugen die geänderten Kräfteverhältnisse im Land nur vorübergehend auf den Bund durch: Im März 1999 nahm die FPÖ der SPÖ den ersten Platz ab, ebenso im Oktober darauf bei der Nationalratswahl. Bei der NR-Wahl 2002 mussten auch die Kärntner Freiheitlichen für die Knittelfelder Ereignisse büßen - und fielen auf den dritten Platz zurück. Nicht so bei der Landtagswahl 2004, wo Jörg Haider den ersten Platz verteidigte.

Insgesamt lassen sich die österreichischen Wähler in flexiblere und unbeweglichere einteilen. Die Kärntner zählen zu den eher beständigen Wählern - haben sie doch bis zur Nationalratswahl 1995 die SPÖ immer auf den ersten und bis zur Wahl 1986 immer die ÖVP auf den zweiten und die FPÖ auf den dritten Platz gewählt, auf Bundes- und auf Landesebene.

Berg- und Talfahrt

Noch beständiger als die Kärntner und Burgenländer sind die Wiener, Tiroler und Vorarlberger. In Wien liegt seit 1945 die SPÖ bei allen Bundes- und Landeswahlen auf dem ersten Platz, in den beiden westlichen Ländern die ÖVP. Einige wenige Veränderungen gab es nur zwischen Platz 2 und 3 - teils bei den ersten FPÖ-Antritten rund um 1950, teils mit der Berg- und Talfahrt der FPÖ unter Jörg Haider.

Flexiblere Wähler finden sich in der Steiermark, Salzburg, Niederösterreich und Oberösterreich. Das sind die vier Länder, in denen die ÖVP bei der vorigen Nationalratswahl seit längerem wieder die Mehrheit eroberte - und somit auch österreichweit die Nase vorne hatte. Bis zu den Machtwechseln in Salzburg und der Steiermark wählten sie zwar (mit nur zwei knappen Ausnahmen) bei Landtagswahlen immer schwarz. Aber bei Nationalratswahlen lag in diesen Ländern von den 70er-Jahren (also Bruno Kreiskys Ära) bis zur vorletzten Wahl größtenteils die SPÖ vorne.

FPÖ

Die FPÖ lag in diesen vier Ländern bei Landtags- und Nationalratswahlen weitgehend auf dem dritten Platz. Bei der NR-Wahl 1999 schaffte sie allerdings in Salzburg Rang 1 und der Steiermark Rang 2, um dann 2002 wieder zurückzufallen; in NÖ sogar auf Rang 4. Bei den letzten Landtagswahlen sackten die Blauen sogar noch weiter ab: In NÖ und OÖ auf Platz vier, in der Steiermark gar auf Rang 5 hinter KPÖ und Grünen.

Nicht nur Aufstieg und Fall der FPÖ unter Haider, auch das langsame Wachsen der Grünen brachte zuletzt Bewegung in die hinteren Ränge. Früher in Land und Bund meist Vierte - bis auf die Jahre 1990/1994, wo sich teilweise das LIF vor ihnen behaupten konnte -, schafften die Grünen bei den letzten Wahlen schon einige dritte Plätze: In NÖ und Tirol liegen sie derzeit in Land und Bund vor der FPÖ, in Oberösterreich im Land und in Vorarlberg sowie Wien im Bund. In der Steiermark überholten sie bei der Landtagswahl 2005 zwar die FPÖ, blieben aber Vierte, weil die KPÖ drittstärkste Kraft wurde. (APA)

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