EADS erteilt russischen Mitsprache-Ambitionen eine Absage

4. Oktober 2006, 11:25
posten

Luftfahrtkonzern will Firmenregeln nicht wegen Russland ändern - Russland peilt Sperrminorität an und will Sitz im Verwaltungsrat

Paris - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS hat Russlands Hoffnungen auf einen größeren Einfluss im Konzern eine Absage erteilt. EADS habe keine Absicht seine sorgfältig austarierten Regeln zur Leitung des Unternehmens zu ändern, teilten die beiden Vorsitzenden des EADS-Verwaltungsrats, Manfred Bischoff und Arnaud Lagardere, am Donnerstag mit. Der Aktionärs-Pakt, der den Gründungsaktionären wesentliche Entscheidungsrechte zusichert, gelte weiter.

Russland hatte sich über die staatliche Bank VTB kürzlich mit knapp über fünf Prozent an EADS beteiligt. Am Dienstag signalisierte ein Sprecher von Russlands Präsident Wladimir Putin, längerfristig eine Sperrminorität bei EADS in Betracht zu ziehen. In Russland beträgt eine Sperrminorität 25 Prozent plus eine Aktie, in Deutschland 25 Prozent. EADS ist allerdings eine Aktiengesellschaft nach niederländischem Recht. Dort gibt es keine entsprechende klare Regelung.

Bischoff und Lagardere begrüßten jede Investition in EADS, da sie den Erfolg des Unternehmens unterstreiche. Es sei aber nicht im Interesse des Unternehmens, die Unternehmsorganisation zu ändern oder die Gruppe von industriellen Anteilseignern zu erweitern, erklärten die beiden Chairmen, die auch die beiden industriellen Hauptanteilseigner DaimlerChrysler und den Medienkonzern Lagardere repräsentieren. "Die bestehenden Regeln der Unternehmensorganisation haben sich für alle Anteilseigner als sinnvoll erwiesen."

Interne Regeln

Um ungewollten Einfluss abzublocken, hat EADS bei seiner Gründung im Jahr 2000 interne Regeln ausgearbeitet. In dem Aktionärsabkommen wurden auch Kernstrukturen wie etwa die Zusammensetzungen des Verwaltungsrats und dessen Kompetenzen festgelegt. Diese sollten nicht von einzelnen Anteilseignern innerhalb des Streubesitzes umgangen werden, teilten die beiden Chairmen mit.

Zeitungsberichten zufolge will Putin bei einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Paris am 23. September auf einen Sitz im Verwaltungsrat, dem Pendant zum österreichischen Aufsichtsrat, von EADS drängen.

Der russische Markt ist wichtig für die Luftfahrtbranche. Derzeit bemühen sich der US-Konzern Boeing und die EADS-Tochter Airbus um einem milliardenschweren Auftrag der russischen Fluggesellschaft Aeroflot. Zudem plant Russland die Regeln für Auslandsinvestitionen in dem Sektor zu lockern. EADS gilt als möglicher erster Partner der neu aufgebauten staatlichen Flugzeug-Holding, die im Februar gegründet wurde und in der die russischen Flugzeugbauer zusammengeführt werden sollen. Der europäische Konzern hat bereits einen zehnprozentigen Anteil an dem russischen Kampfflugzeugbauer Irkut. (APA/Reuters/dpa)

Share if you care.