Skoceks Zeitlupe: Genial banal

20. Oktober 2006, 15:40
5 Postings

Über den weiten Weg für Sturms Krug zum rettenden Brunnenwasser

Wie es ausschaut, dürfte der Krug von Sturm Graz nicht mehr lange knitterfrei zum Brunnen hatschen. Das Grazer Konkursgericht erstreckte die Frist bis zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bis zum 20. Oktober. Doch die Prognosen schauen düster aus, auch wenn eine quotenmäßige Befriedigung der akuten offenen Forderungen des Finanzamts und anderer Gläubiger gelingen sollte. Die Treuhandregelung wirft Fragen auf. Will auf diese anonyme, wenn auch kostengünstige Weise tatsächlich ein Sponsor einsteigen?

Falls ein Einzelner oder eine Gruppe Sturms Forderungen sammelt, hätte er oder die Partie ein starkes Instrument in der Hand, den Klub zu gängeln, vor dem Konkurs zu bewahren oder ihn (bei Unbotmäßigkeit?) in die Insolvenz zu treiben. Kartnig selbst hat offenbar kein Interesse an einem gerichtlichen Insolvenzverfahren. Der Masseverwalter muss reinen Tisch machen, die Geschäftgebarung des SK Sturm durchleuchten, alle Schulden auflisten und alle den Klub belastenden Verträge kündigen. Solange Kartnig glauben machen kann, dass er Sturm besser saniert, als es das Gericht vermag, ist er der größten Sorgen ledig.

Und er vermeidet das Risiko, die Entscheidung über den Lizenzantrag einem Masseverwalter überlassen zu müssen. Und dessen Anschauung, was ein gesicherter Spielbetrieb ist, unterscheidet sich eventuell von der Beurteilung Kartnigs und der Liga, die ja die Lizenz erteilte. Die Verschiebung des (etwaigen) Konkursverfahrens ist also möglicherweise nur in Kartnigs Augen ein Hoffnungsschimmer und ein Etappensieg auf dem Weg zum Brunnenwasser. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 15. September 2006, Johann Skocek)

Share if you care.