Suche nach Reispantschern

5. Oktober 2006, 12:24
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Während in Österreich noch fieberhaft die Reisproben untersucht werden, wird in den USA nach den Verursachern der Vermischung gesucht

Wien – Bei der Umweltorganisation Green-_peace kann man sich nicht vorstellen, dass Österreich eine Insel der Seligen ist, was die Vermischung von Reis mit Genreis betrifft. Wie berichtet, haben Tests von EU-Behörden ergeben, dass jede fünfte Probe Langkornreis made in the USA den nicht zugelassenen Genreis LL601 des Chemiekonzerns Bayer enthält. In Österreich ist deshalb die zum Gesundheitsministerium gehörende Lebensmittelbehörde Ages dabei, die rund 150 Reisproben, die quer über Österreich bei verschiedenen Händlern gezogen wurden, zu untersuchen. Ergebnisse der Tests werden erst "in ein bis zwei Wochen" feststehen, so die Ages.

Diese Verzögerung in der Aufklärung – schließlich gibt es etwa in Deutschland bereits eine ganze Reihe von Untersuchungsergebnissen, die Vermischungen feststellten, – führt bereits zu Kritik. Die lange heimische Untersuchungszeit wird darauf zurückgeführt, dass Österreich kein "Referenzmaterial" für den Genreis LL601 vorliegen hatte. Dieses ist für den Nachweis von Genreis unumgänglich.

Mehr Fragen als Antworten

International haben sich durch den Vermischungsskandal bisher mehr Fragen als Antworten aufgetan. Schließlich handelt es sich bei dem Genreis LL601 um eine Züchtung, die auch in den USA nicht zum kommerziellen Anbau freigegeben war. Aventis, später übernommen von Bayer, hatte den Reis entwickelt und damit nur 1999 bis 2001 Versuchsreihen durchgeführt. Weder in den USA noch in Europa wurde um die dafür notwendigen Zulassungen angesucht. "Damals wurden mehrere Sorten ausgepflanzt. Wir haben uns dann nicht für LL601 sondern für LL62 entschieden", erklärt Annette Josten von Bayer.

Für LL62, quasi die Schwester zu LL601, strebe man deshalb eine Zulassung zum Import in den EU-Raum bei der europäischen Lebensmittelbehörde Efsa an, sagt Josten, das Okay steht aber noch aus (siehe Webtipp mit der Liste der offenen Efsa-Risikoabschätzungen). Aufgetaucht ist der LL62 in Österreich trotzdem: Greenpeace hatte in der Vorwoche Reisnudeln aus China, die am Naschmarkt gekauft worden waren und die LL62-Spuren aufwiesen, an das Gesundheitsministerium weitergereicht.

Kein Rückverfolgungssystem

"Kern des Problems ist, dass es in den USA kein Rückverfolgungssystem für Lebensmittel wie in der EU gibt", sagt Steffen Nichtenberger von der Umweltorganisation Greenpeace. Dieses legt in Europa fest, dass jeder Bauer, Verarbeiter und Händler wissen muss, von wem er kaufte und an wen er verkaufte. Corinna Tinkler, Pressesprecherin der Rewe-Group (Billa, Merkur, Penny), kann Vermischungen bei US-Langkornreis zwar nicht ausschließen, verweist aber auf ein mehrstufiges Prüfverfahren, dem man sich etwa bei Eigenmarken unterwerfe. Notfalls würden externe Labors mit Stichprobenuntersuchung beauftragt. Laut Informationen von Nichtenberger will Brüssel das Problem mit dem LL601 so lösen, dass die Efsa mit einer Risikoabschätzung beauftragt werden soll – obwohl Bayer dafür nicht ansuchte. Juristisch wäre dann eine Vermischung von bis zu 0,5 Prozent erlaubt. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.8.2006)

Webtipp: Efsa
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