FACC stoppt Bau für A380

4. Oktober 2006, 11:25
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Die Schwierigkeiten von Airbus schlagen auf die Lieferanten durch: Die oberösterreichische FACC hat jetzt den Bau von Teilen für den Riesenjumbo A380 gestoppt

Wien – Die Verzögerungen bei Bau und Auslieferung des neuen Airbus-Riesenbabys A380 dürften noch weit über das hinausgehen, was Airbus bisher offiziell zugegeben hat. Zuletzt war seitens des Unternehmens, das im Zuge eines Insider-Skandals die Unternehmensspitze ausgewechselt hat, nur von Verspätungen im Ausmaß eines halben Jahres die Rede.

Jetzt hat die oberösterreichische FACC, einer der "First-Tier-Supplier" (Hauptlieferanten) des Airbus A380, die Produktion von Teilen für den Jumbo völlig gestoppt. Zwar gab es für FACC wie andere Lieferanten offiziell noch keine Information über den Stau bei der A380. Aber aufgrund von Informationen aus Bankenkreisen geht der oberösterreichische Hersteller davon aus, dass heuer nur eine und 2007 nur eine einstellige Zahl von A380 fertiggestellt und ausgeliefert werden. Dies bestätigte FACC-Chef Walter Stephan gegenüber dem STANDARD.

Gut vorbereitet

Je nach Bauteilen – FACC fertigt für den A380 unter anderem Verkleidungen von Landeklappenträgern sowie Kabinen-Innenausstattung – habe man bereits für bis zu 51 Flugzeuge produziert, sagte Stephan, sodass man Airbus für die nächsten Jahre beliefern könne, ohne neue Bauteile zu fertigen. "Die Bestellung wurde bis heute nicht reduziert, aber es hat ja keinen Sinn, den Kunden mit Teilen vollzustopfen, die er gar nicht verarbeiten kann", begründet Stephan den Produktionsstopp.

Dritte Fertigungsstätte

Dabei hat FACC erst im Frühjahr diesen Jahres eine dritte Fertigungsstätte in Ried eröffnet, um die Bauteile für den A380 zu produzieren. Dieses Werk wurde inzwischen umgerüstet, sagt Stephan, "die Maschinen haben wir in diversen Bauernhöfen der Umgebung gelagert". Durch andere Aufträge sei man so ausgelastet, dass die Schwierigkeiten von Airbus keinen unmittelbaren Niederschlag finden. Der Boom bei "Winglets" – senkrecht aufgestellten Flügelspitzen, die den Kerosinbedarf bis zu fünf Prozent reduzieren – würde den Ausfall bis auf Weiteres kompensieren. Zu verdauen bleibe ein Problem beim Cash-Flow, da Stephan annimmt, dass Airbus "auch seine Lieferanten leiden lassen wird" – sprich: erst später für die bereits bestellten Teile zahlen wird. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.9.2006)

  • FACC-Chef Walter Stephan bei der Auslieferung erster Bauteile für den Airbus A380.
    foto: standard/lang & lang,

    FACC-Chef Walter Stephan bei der Auslieferung erster Bauteile für den Airbus A380.

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