2. Oktober 2006, 11:17
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Das Berufsbild der Journalistinnen und Journalisten wird sich nach Ansicht von Michael Grabner, dem Chef der deutschen Holtzbrink-Verlagsgruppe, stark wandeln. Der Nutzwert von Nachrichten werde stärker ins Zentrum rücken. "Welchen Nutzen stifte ich mit diesem Artikel? Ist es ein Informationsnutzen, ein Unterhaltungsnutzen, ist es ein Servicenutzen?" Diese Fragen müsse sich ein Journalist stellen, bevor er zu schreiben beginne, so der Österreicher im Interview mit dem Schweizer "Tages-Anzeiger". Der Österreicher vertritt den "Kurier" im Mediaprint-Gesellschaftergremium.

Neues Anforderungsprofil für Journalisten

"Im Tagesjournalismus haben wir die Problematik von politischen Organisationen, die uns pausenlos mit Politnachrichten füttern", so Grabner. Das Publikum aber langweile sich angesichts dieses gigantischen Overload. Für die Journalisten bedeute dies ein völlig neues Anforderungsprofil. Für die Medienmanager gelte es, die Kosten in den Griff zu kriegen und zugleich den kreativen journalistischen Prozess zu gestalten.

Zeit- und Mengenstress

Grabner glaubt übrigens nicht, dass Nachrichten im Internet die Zeitungen verdrängen. Untergangs-Szenarien hätten sich in der Vergangenheit nie bewahrheitet. Fakt sei, dass immer mehr Menschen immer mehr Medien konsumierten. Tatsache sei aber auch, dass der Informationsfluss und die Geschwindigkeit enorm zugenommen hätten. Für den Medienkonsumenten bedeute dies einen ungeheuren Zeit- und Mengenstress. Das bedeute, dass es wieder jemanden geben müsse, der über das ganze Informations-Tohuwabohu einen Filter lege. Dieser Filter sei früher der Journalist gewesen. Blogs dürften laut Grabner kaum eine Primär-Informationsquelle sein. Er glaube nicht, dass die Meinung der Mehrheit der Bloggenden zum Massstab werde. (APA/sda)

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