Trichet: EZB wird Inflationsrisiken begrenzen

5. Oktober 2006, 14:12
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Die Europäische Zentralbank wird nach den Worten ihres Präsidenten alles daran setzen, die Inflation im Euro-Raum einzudämmen

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach den Worten ihres Präsidenten Jean-Claude Trichet alles daran setzen, die Inflation im Euro-Raum einzudämmen.

Nach Umfragen erwarteten die Wirtschaftsakteure in den kommenden fünf Jahren einen Preisanstieg von 1,9 Prozent, was dem Stabilitätsziel der EZB entspricht. "Es ist entscheidend, dass die Bürger, Sparer und Investoren darauf vertrauen können, dass wir alle nötigen Entscheidungen treffen werden, um sicherzustellen, dass die Inflation mittelfristig auf diesem Niveau bleibt", sagte Trichet in einem am Donnerstag vorab veröffentlichten Interview mit dem italienischen Magazin "L'Espresso". Der EZB-Chef bekräftigte, es komme auf die "große Wachsamkeit" der Zentralbank an, um die Inflationsrisiken im Zaum zu halten. Mit diesem Schlüsselbegriff hatte Trichet vor zwei Wochen signalisiert, dass der EZB-Rat bei seiner nächsten Zinssitzung am 5. Oktober den Leitzins erneut anheben würde.

Zentraler Satz

Die EZB hat den zentralen Satz für die Bankenrefinanzierung seit Ende 2005 in vier Schritten um einen Prozentpunkt auf drei Prozent nach oben geschleust, um einen übermäßigen Preisanstieg zu verhindern. Analysten erwarten noch zwei Anhebungen in diesem Jahr auf 3,5 Prozent. Einige EZB-Ratsmitglieder hatten zuletzt angedeutet, dass die Zentralbank im kommenden Jahr womöglich noch weiter gehen muss, wenn sich stärkeres Wachstum und mehr Inflation abzeichnen sollten.

Zur Konjunktur sagte Trichet, die Zentralbank erwarte nach wie vor einen Zuwachs um die Potenzialrate, die die EZB auf zwei Prozent schätzt. Allerdings seien weltweite Unsicherheiten bei diesem Ausblick zu berücksichtigen. Die jüngsten Prognosen der EZB-Volkswirte gehen von einem Wachstum von 2,5 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im kommenden Jahr aus. Viele Banken sind skeptischer über 2007 und befürchten wegen der konjunkturellen Abkühlung in den USA einen Rückschlag für die Euro-Zone. Trichet sagte, es komme auf das weltweite Umfeld, und nicht nur auf die USA an. Die meisten Prognosen gingen für die Weltwirtschaft weiter von dynamischem Wachstum aus.

Mit der anhaltenden Konjunkturerholung befürchten die Währungshüter auch wachsende Gefahren für die Preisstabilität. Der Ölpreisanstieg hält die Jahresteuerungsrate schon lange einige Zehntel über zwei Prozent. Nach den EZB-Stabsprognosen wird die Zentralbank 2006 und auch 2007 noch nicht auf die angestrebte Rate von etwas unter zwei Prozent kommen. Trichet zählte die bekannten Risikofaktoren auf: Der frühere Ölpreisanstieg könne sich auf andere Preise auswirken. Es könne unerwartete weitere Erhöhungen von Steuern und staatlichen Preisen geben. Schließlich bestehe die Gefahr von Zweitrundeneffekten, bei denen die Löhne in Reaktion auf Energieverteuerung und Steuererhöhungen übermäßig angehoben würden. "Es ist entscheidend, einzugreifen, bevor es zu diesen Effekten kommt", sagte Trichet. Die Bürger Europas forderten ausdrücklich von der EZB, für Preisstabilität zu sorgen. (APA/Reuters)

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