Borealis soll 2011/12 an die Börse

8. Oktober 2006, 18:20
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In den nächsten fünf Jahren sollen rund fünf Millionen Euro in Forschung in Österreich investiert werden

Wien - Der Kunststoffproduzent Borealis, der zu 35 Prozent der OMV und zu 65 Prozent dem strategischen OMV-Aktionär IPIC aus Abu Dhabi gehört, will 2011 bzw. 2012 an die Börse gehen. Dies hänge aber von der Marktentwicklung ab, die in der Kunststoffbranche sehr schwankend sei, so der stellvertretende OMV-Chef Gerhard Roiss am Donnerstag vor Journalisten. Den Börseplatz nannte er nicht. Der weltweit agierende Konzern mit 4.500 Mitarbeitern hat seit Juli seinen Konzernsitz in Wien.

Borealis eröffnet heute eine neue Polyethylen-Anlage in Schwechat mit einer Produktionsleistung von 350.000 Tonnen pro Jahr. Weiters wird heute die Erweiterung der bestehenden Polypropylen-Anlage auf 300.000 Tonnen sowie der Ausbau des OMV-Crackers auf 900.000 Tonnen/Jahr gefeiert. Insgesamt wurden in den Standort Schwechat 400 Mio. Euro investiert, erklärte Borealis-Chef John Taylor. Dies mache die niederösterreichische Stadt zu einem der größten Kunststoffstandorte in Europa. Borealis beschäftigt in Österreich insgesamt 705 Mitarbeiter.

Gesteigerte Nachhaltigkeit

"Mit dieser Investition steigern wir die Nachhaltigkeit unseres Geschäftes", ergänzte Roiss. Denn europaweit sei durch den zunehmenden Dieselverbrauch ein Überschuss an Benzin zu bemerken, Tendenz steigend. Diese Überschüsse sollen in Kunststoffe verarbeitet werden, wo es etwa im Rohrleitungsbereich noch einen gewaltigen Markt gebe. Und genau in diesem Bereich sei man Weltmartkführer.

Taylor rechnete vor, dass 1,2 Milliarden Menschen nicht mit sauberen Wasser versorgt sind. Täglich würden 6.000 Kinder durch verschmutztes Wasser sterben. Doch nicht nur in den Entwicklungsländern müssten bestehende marode Betonleitungen durch Kunststoffrohre ausgetauscht werden, auch in seiner Heimatstadt London sehe es düster aus: 40 Prozent des Wasser gingen durch Lecks in den Leitungen verloren.

Investition in Forschung

Borealis ist nicht nur ein wichtiger Industrieinvestor in Österreich, das Unternehmen unterstützt auch die heimische Forschung. So sollen rund fünf Mio. Euro in den nächsten fünf Jahren in den Forschungsstandort Linz sowie die Montanuniversität in Leoben investiert werden. Borealis hat heute bekannt gegeben, in den Vereinigten Arabischen Emiraten einen Forschungsstandort zu errichten. Das "Innovation Center" soll eng mit Leoben zusammenarbeiten.

Geht es nach dem stellvertretenden Forschungsleiter Wim Roels, dann haben Europa und die USA einen kräftigen Nachholbedarf bei Akademikern in den Bereichen Chemie und Plastik. Die Qualität der Ausbildung sei in Ordnung, doch die wenigen Technikstudenten würden dann auch noch lieber Studienrichtungen wie Elektro- und Kommunikationstechnik wählen, so Roels zur APA.

Borealis steigerte 2005 den Nettogewinn um 11 Prozent auf 226 Mio. Euro. Der Umsatz erhöhte sich auf 4,814 (4,628) Mrd. Euro. Das Ergebnis (Ebit) ging auf 236 (278) Mio. Euro zurück. Die Kunststoffindustrie sei 2005 von hohen Öl- und Rohstoffpreisen, sprunghaften Margen, geringerer Nachfrage in Europa und den schweren Hurrikans im Golf von Mexiko gekennzeichnet gewesen, hieß es bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen. (APA)

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