Miba im Halbjahr mit mehr Umsatz, aber weniger Gewinn

4. Oktober 2006, 14:43
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EGT wegen teurer Energie, hoher Rohstoffkosten und Anlaufkosten für neue Aktivitäten rückläufig

Wien - Der oberösterreichische Kfz-Zulieferer Miba hat im ersten Halbjahr 2006/07 einen Umsatzzuwachs von sechs Prozent auf 189,4 Mio. Euro erzielt. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) verminderte sich allerdings von 16,8 auf 13 Mio. Euro. "Wir haben neue Kapazitäten aufgebaut und Modernisierungen durchgeführt - das sind Kosten, die auch etwas auf das Ergebnis durchschlagen", erklärte Vorstands-Chef Peter Mitterbauer am Donnerstag in Wien. Die Erträge geschmälert hätten zudem die hohen Energie- und Rohmaterialkosten.

Für das Gesamtjahr 2006/07 (per Ende April) sieht der Miba-Chef "eine leichte Umsatzsteigerung und ein leichtes Ertragswachstum" für das Unternehmen. Der Wachstumskurs werde fortgesetzt. Doch weiter steigende Preise im Rohstoff- und Energiesektor würden den Margendruck erhöhen.

Miba investiert derzeit kräftig in zusätzliche Kapazitäten in der Slowakei und China, um der starken Nachfrage auf den Abnehmermärkten gerecht werden zu können. Die generell starke Erweiterung der Transportkapazitäten, die heuer weltweit herrscht, wirkt sich positiv auf die Miba-Geschäfte aus. Der Personalstand hat sich zum Stichtag 31. Juli 2006 im Vergleich zum Vorjahr um 179 auf 2.920 Mitarbeiter erhöht. Miba-Teile finden sich in Baumaschinen, Hochgeschwindigkeitszügen, Schiffen und Nutzfahrzeugen ebenso wie in Autos.

Drei-Jahres-Investitionsprogramm

Das Drei-Jahres-Investitionsprogramm im Gesamtvolumen von 100 Mio. Euro will Miba bis zum Jahresende abschließen. "Unser Investitionsschwerpunkt im Ausland war das slowakische Reibbelagswerk in Vrable, 100 Kilometer östlich von Bratislava", sagte Finanzvorstand Siegfried Dapoz. Das Unternehmen wurde letztes Jahr zügig aufgebaut. Die Produktion ist Anfang 2006 angelaufen. In den kommenden Monaten gänzlich aufgelöst wird der veraltete Standort in Sheffield (England), an dem Miba derzeit noch 120 Arbeitnehmer beschäftigt.

Parallel dazu investiert Miba in ein neues Produktionswerk in China: Die Werkshalle für die Fertigung von Lkw-Gleitlagern und Sinterformteilen für Pkw-Motoren in Suzhou, 90 Kilometer westlich von Shanghai, ist nun fertig gestellt. "Anfang 2007 werden wir dort mit 50 Mitarbeitern die Produktion anfahren", so Mitterbauer. Miba will verstärkt bei seinen Kunden vor Ort tätig sein. In China sei diesbezüglich ein großer Schritt vorwärts gelungen.

Rund die Hälfte des 100 Mio. Euro schweren Investitionsprogrammes ist in neue Maschinen und Anlagen an den heimischen Standorten Laakirchen, Vorchdorf, Roitham und Niklasdorf geflossen. "Das ist eine klare Entscheidung für den Standort Österreich", betonte der Miba-Chef. Seit Anfang 2004 sind hierzulande 170 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Per Ende Juli beschäftigte Miba 1.349 Mitarbeiter in Österreich.

Hoffnung auf Scania-Übernahme durch MAN

Als "höchst spannend" wertet Miba-Chef Peter Mitterbauer die geplante Übernahme des Nutzfahrzeugherstellers Scania durch den deutschen MAN-Konzern. Als Zulieferer der europäischen Kfz-Industrie könnte die Miba-Gruppe von der neuen Eigentümerstruktur profitieren. Denn die MAN ist ein wichtiger Abnehmer von Miba-Produkten und könnte den Oberösterreichern die Tür zu Scania öffnen.

"Derzeit sind wir bei Scania noch kein Kunde. Eine Übernahme würde uns sehr gut tun, weil wir ein Serienlieferant der MAN sind", so Mitterbauer. MAN wird den Scania-Aktionären voraussichtlich in der kommenden Woche ein Übernahmeangebot unterbreiten. Im Zentrum der geplanten Transaktion steht einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge der 34-prozentige Stimmrechtsanteil von Volkswagen an Scania. Als möglicher Kaufpreis werden 9,5 Mrd. Euro kolportiert.

Die Produkte von Miba könnten dadurch jedenfalls einen neuen Großabnehmer gewinnen. Als größte Miba-Sparte könnte die Sinter Group, die 45 Prozent zum Gesamtumsatz des Miba-Konzerns beisteuert, Kupplungskörper für manuelle Handschaltgetriebe liefern. Das Umsatzplus von vier Prozent, das dieses Segment im ersten Halbjahr 2006/07 erzielte, ist neuen Serienaufträgen zu verdanken.

Die zweitgrößte Sparte, die Miba Bearing Group, beliefert die internationalen Motorenbauer mit Gleitlagern und erwirtschaftet 39 Prozent der Miba-Umsätze. Die Verkaufserlöse sind hier im Berichtszeitraum um neun Prozent empor geschnellt - dank dynamischer Nachfrage der internationalen Motorenbauer für Nutzfahrzeuge, Schiffe und stationäre Großmotoren. (APA)

Die Miba Friction Group (Umsatzanteil 16 Prozent) beliefert Nutzfahrzeuge-Hersteller mit Kupplungsbelägen, die derzeit stark nachgefragt seien. Doch auch Bremssegmente für Hochgeschwindigkeitszüge und Windkraftanlagen verkaufen sich den Angaben zufolge gut. Miba Friction hat im Berichtszeitraum ein Umsatzplus von drei Prozent verzeichnet.

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