Die Trachtenjacke, anfänglich Holzarbeitern und Jägern vorbehalten, findet sich heute in der traditionellen Tracht und in der Wanderkleidung
Was der Frau das
Dirndl, waren - und sind - dem Mann Joppe und Lederhose, zumindest wenn es um Trachten(mode) geht. Die Kostümhistorikerin Ingrid Loschek erklärt die Entstehung der Tracht mit dem parallelen Auftreten der Wanderkleidung, die wiederum die Jagdkleidung aufgegriffen haben soll. Kaiser Maximilian I (1493 - 1519), angeblich ein "leidenschaftlicher Gamsjäger", wird die Institutionalisierung des grau-grünen Lodengewandes nachgesagt. In der Folge erhielt die Tracht durch die Höfe in Österreich und Bayern besondere Förderung.
Joppe und Janker
Die Joppe, regional "Juppe" (frz. jupe, ital. giubba) oder "Schoppen" genannt, geht auf ein kaftanartiges Obergewand zurück, das von den Kreuzfahrern aus dem Orient mitgebracht worden ist. Überliefert ist ein seit Ende des 12. Jahrhunderts körpernahes und oberschenkellanges Kleidungsstück für den Mann, das im Vorderteil geknöpft und erst im 15. Jahrhundert auch von der Frau getragen wurde. Ähnlichkeiten wies es mit der sogenannten "Gippe" oder dem "Gippelein" bzw. der persischen "Djubbeh" auf, die jedoch kurzärmelig oder ärmellos, von allen Ständen bis ins 14. Jahrhundert getragen wurden.
Anfänglich wurde die Joppe als Schutz unter der Rüstung verwendet, im 16. und 17. Jahrhundert fungierte sie als Jagdweste und bis in die 1950er-Jahre hinein findet sie sich auch als Hausjacke wieder. In der Trachtenkleidung scheint sie zu Beginn als Lodenjacke ohne Kragen und Verschluss bei Tiroler Holuarbeitern auf. Im 19. Jahrhundert wurde sie dann von den Jägern übernommen und mit einem grünen Kragen und ebensolchen Ärmelaufschlägen verziert. Gehalten hat sie sich bis heute in der Trachtenmode: Gerade im Schnitt, ein- oder zweireihig, mit Steh- oder Reverskragen, aus Wollstoff oder Loden.
Walk-Janker
Der Janker bezeichnete anfänglich einen bodenlangen Frauenmantel mit langen Hängeärmeln. Erst im 18. Jahrhundert ging die Bezeichnung auf die österreich-bayrische Trachtenjacke mit geradem Schnitt, andersfarbigem Kantenbesatz, Revers- oder Umschlagekragen, manchmal auch Stehkragen, und Horn- oder Metallknöpfen über und war nun für beide Geschlechter als Unisex-Jacke vorgesehen. Die Farbe variiert regional, ist aber zumeist grau, grün oder rot, das klassische Modell grau mit grünen Aufschlägen. Als in den 60er-Jahren der Janker zum Modegewand wurde, war er in beinahe allen Farben, mit Vorliebe in Rosa und Hellblau, erhältlich. Während für den Winter gewalkter Filz und Loden verwendet werden, sind die Modelle für den Sommer aus wattiertem, abgestepptem Baumwollstoff.
Übrigens soll Coco Chanel vom Trachtenjanker für die Jacke ihres Chanel-Kostüms inspiriert worden sein. (dabu)