"Die Erbsenprinzessin"

30. Oktober 2006, 12:01
316 Postings

Zickig, neurotisch - oder äußerst empfindsam? - Hochsensibilität und was dahinter steckt - Ein Buchtipp mit Schönheitsfehlern

"Viele Frauen gelten als schüchtern oder zickig, wenn sie weniger belastbar und weniger gesellig sind als andere. Hohe Sensibilität ist aber keine Krankheit und kein Makel, sondern eine seelische Eigenschaft, denn viele Hochsensible sind gleichzeitig hochbegabt, was nicht nur mit Intelligenz, sondern auch mit differenziertem Denken zu tun hat."

Eigentlich wollte Autorin und Psychologin Renate Göckel mit ihrem Buch verraten, wie Hochsensible "Ihre Fähigkeiten erfolgreich nutzen" können - das verspricht sie im Klappentext. Gleich vorweggenommen: Sie hat geschummelt. Sollten Sie betroffen sein, wissen Sie am Ende des Buches nämlich kaum, wie Sie "das Potenzial Ihrer Empfindsamkeit nutzen können" - als Laie bekommen Sie dafür einen Überblick über ein spannendes Thema.

Einstieg und Überblick

"Auch hochsensibel?", laden 30 Fragen gleich zu Beginn zum Selbsttest ein. Die LeserInnen erfahren in Folge, wie sie hochsensible Menschen erkennen, was diese auszeichnet (scharfer Blick, feine Nase, Fantasie, Kreativität, gute Intuition,...), warum sie Überreizung tunlichst vermeiden sollten (Überforderung, hohe Fehlerquote, Ausflippgefahr,...), wie die Umgebung häufig auf sie reagiert und warum sie sich oft nicht ernst genommen fühlen.

Eine schnell zu lesende, nicht allzu tief gehende Einstiegslektüre also - wenn auch mit einigen Schönheitsfehlern. So werden die Erläuterungen etwa immer wieder mit den Ergebnissen einer Umfrage untermalt, die Renate Göckel an 17 Frauen durchgeführt hat - wie aussagekräftig die Angaben eines derart kleinen Grüppchens sind, sei dahingestellt. Ebenso fraglich ist, wie repräsentativ das - von ihr selbst so bezeichnete - "Versuchskaninchen" Elsie O. ist - eine 38-jährige hochsensible Klientin, die von Beginn an durchgehend als (einziges) Beispiel und Bestätigung für die Merkmale Hochsensibler zitiert wird.

Ganz klar wird auch nicht, warum sich die Autorin nur auf Frauen bezieht, auch das Vorwort verrät es uns nicht - die Beispiele und Erklärungen an sich könnten nämlich für Hochsensible beiderlei Geschlechts gelten; sogar ein längeres Zitat aus "Psychologie heute" im Umschlagstext bezieht sich klar auf "hochsensible Personen" und "hochsensible Menschen". Vielleicht, weil nur Frauen befragt wurden - oder weil das Märchen nun mal von einer Prinzessin handelt?

Wer also Neues speziell für hochsensible Frauen erwartet, wird nach der Lektüre eher enttäuscht sein. Wer das Buch noch unwissend liest, ist danach, wie gesagt, zumindest um ein interessantes Gesprächsthema reicher. (isa)

Renate Göckel
"Die Erbsenprinzessin"
Kreuz-Verlag, 2004
183 S., 17,90 Euro
ISBN 3783124603
  • Artikelbild
Share if you care.