Hausdurchsuchung bei Jan Ullrich

13. Oktober 2006, 12:44
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Staatsanwaltschaft Bonn leitet Ermittlungs­verfahren wegen Ver­dachts auf Betrug ein

Berlin/Wiesbaden/Bad Gastein - Für Deutschlands Rad-Superstar Jan Ullrich wird die Luft bei den Doping-Ermittlungen in der Fuentes-Affäre immer dünner. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat im Zuge ihrer Untersuchungen in dem Doping-Skandal ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und das Haus des Tour-de-France-Siegers von 1997 durchsucht. Insgesamt zehn Häuser und Geschäftsräume wurden am Mittwoch unter die Lupe genommen, darunter auch die Villa Ullrichs in Scherzingen/Schweiz sowie die Privat- und Geschäftsräume seines Managers Wolfgang Strohband in Hamburg.

Nach seiner Hochzeit mit Sara Steinhauser am Wochenende befindet sich der 33-jährige Radprofi in den Flitterwochen und wurde am Mittwoch in seinem Anwesen mit Blick auf den Bodensee nicht angetroffen, berichtete Strohband auf dpa-Anfrage. Ein Nachbar habe geöffnet.

"Bei mir sind sie seit heute Morgen um 09.30 Uhr und beschlagnahmen Akten und Unterlagen. Sie sind immer noch nicht fertig. Das ist eine unvorstellbare Sache, für die sich noch viele werden verantworten müssen", sagte Strohband, der sich im Urlaub in Bad Gastein befindet, am Mittwochnachmittag auf Anfrage.

"Die Staatsanwaltschaft hat nach einer Strafanzeige und intensiver Prüfung des Sachverhalts ein Ermittlungsverfahren gegen die Personen wegen des Verdachts des Betrugs eingeleitet. Mit den Ermittlungen ist das Bundeskriminalamt beauftragt. Auf Grund von Ermittlungen spanischer Strafverfolgungsbehörden wird den beschuldigten Personen vorgeworfen, verschiedene, im Radsport verbotene leistungssteigernde Mittel angewendet zu haben. Ein Beschuldigter soll dabei Hilfe geleistet und insbesondere Medikamente besorgt haben", hieß es am Mittwoch in einer Pressemitteilung des Bundeskriminalamtes.

Unter dem Aktenzeichen 430 Js 936/06 hatten die Ermittler in Bonn, die in der vergangenen Woche ein Rechtshilfe-Ersuchen an die spanischen Behörden geschickt hatten, ein Verfahren wegen des Verdachts auf Betrug zum Nachteil des Rennstalls T-Mobile eingeleitet. Das Bonner Team hatte Ullrich wegen dessen Verwicklungen noch während der Tour de France fristlos entlassen.

Die Staatsanwälte reagierten nach Informationen des Nachrichtenmagazin "Focus" auf eine Strafanzeige der Ex-Leichtathletin Britta Bannenberg. Die heutige Professorin für Strafrecht und Kriminologie in Bielefeld hatte Ullrich und seinen ehemaligen Teamkollegen Oscar Sevilla sowie Berater Rudy Pevenage angezeigt, weil "der Sport in Deutschland sauber bleiben" müsse.

Angesichts der für ihn dramatischen neuen Entwicklungen wog für Ullrich am Mittwoch ein Sieg in einem Rechtsstreit vor dem Hamburger Landgericht gegen den Heidelberger Dopingexperten Werner Franke nicht besonders schwer. Franke darf nach einem Urteil der Pressekammer vom Mittwoch nicht mehr behaupten, der unter Dopingverdacht stehende Ullrich habe in einem Jahr dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes 35.000 Euro zur Anschaffung von illegalen Substanzen bezahlt. Franke hatte dies in einem TV-Interview gesagt und sich dabei auf Ermittlungsakten aus Spanien berufen. "Wir werden mit hundertprozentiger Sicherheit Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen", sagte Frankes Anwalt Michael Lehner.

Dem ehemaligen T-Mobile-Kapitän droht zudem weiter eine sportrechtliche Auseinandersetzung mit dem Schweizer Radsport-Verband, bei dem Ullrich seine Profilizenz gelöst hat. Der Verband wartet weiter auf beglaubigte Dokumente des Weltradsport-Verbandes (UCI) zur Doping-Affäre. Das bestätigte am Mittwoch der dortige Geschäftsführer Lorenz Schläfli.

"In ein paar Tagen sollten wir sie endlich haben. Dann zweifle ich nicht daran, dass das Material ausreicht, ein Verfahren gegen Ullrich zu eröffnen", sagte Schläfli. Ullrich droht als Wiederholungstäter bei einer Verurteilung eine lebenslange Sperre. Trotzdem behauptet er weiter, dass ihm mehrere Angebote zur Fortsetzung seiner Karriere vorlägen. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ullrichs Haus in der Schweiz wurde umgekrempelt.

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