Polnische Journalisten gegen "Politisierung" von Staatsmedien

2. Oktober 2006, 11:28
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Bei Radio Merkury erster großer Protest gegen Personalpolitik der Regierung - "Rückkehr ins kommunistische Polen"

Die Personalpolitik der polnischen Regierung in den staatlichen Medien hat zum ersten Mal einen massiven Protest von Journalisten hervorgerufen. 70 von rund 100 Mitarbeitern bei Radio Merkury in Posen unterschrieben einen Protestbrief gegen die "Politisierung" ihres Senders. Sie wenden sich insbesondere gegen die Ernennung des neuen Vorstandsmitgliedes Krzysztof Musialek, der der nationalkatholischen LPR (Liga polnischer Familien) nahe steht.

"Wir machen kein Parteienradio, sondern ein öffentliches Radio, das seinen Hörern gehört und ihnen dienen soll", hieß es in dem Protestbrief. Besonders empörte die Radiomacher nach Informationen der Tageszeitung "Gazeta Wyborcza", dass Musialek als gelernter Verkäufer keine Medienerfahrung hat und dennoch "Einfluss auf die Kultur- und die Musiksendungen nehmen will", wie er einem Radiomitarbeiter anvertraute.

"Rückkehr ins kommunistische Polen"

Auch früher seien Politiker in den Vorstand des Senders ernannt worden, erklärte Nina Nowakowska, Leiterin der Meinungsredaktion bei Radio Merkury. Aber erstens sei dabei auch die Opposition vertreten gewesen und zweitens habe es sich um Fachleute gehandelt. "Jetzt kehren wir zu den Methoden des kommunistischen Polen zurück", so Nowakowska.

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats von Radio Merkury, Bartosz Wachowiak, der dort die rechtskonservative Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) vertritt, will sich vorerst nicht zu dem Protest äußern. "Erst muss sich der gesamte Aufsichtsrat mit dem Inhalt des Briefes vertraut machen", sagte er der "Gazeta Wyborcza". (APA)

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