Auf der Jagd nach einem Dealer kam ein Polizist mit dem neuen Fahrrad zu Sturz
Graz - Am Mittwochvormittag wurde in Graz die neue
Fahrrad-Polizei vorgestellt, am Nachmittag gab es bereits den ersten
Zwischenfall, der für einen der neu eingekleideten Fahrradpolizisten im
Krankenhaus endete. Bei der Verfolgung eines mutmaßlichen Dealers
wurde der Polizist vom Rad gestoßen. Dabei erlitt er eine Fraktur im
Halswirbelbereich. Bleibende Schäden sind nicht zu befürchten.
Der mutmaßliche Dealer konnte dennoch geschnappt werden. Gemeinsam
mit einem Passanten, der den Mann festhielt, konnte die Polizei den Mann verhaften.
Es wurden mehrere
Säckchen Cannabis gefunden.
Radpatrouillen gab es schon Anfang der 90er
"Die alten Räder waren höchstens eine Lachnummer, damit hätten wir niemanden verfolgen können", sagt Benno Kleinferchner von der Grazer Stadtpolizei bei der Präsentation der neuen Ausrüstung der Fahrradpolizisten, die sich den bösen Buben im Grazer Stadtpark ab sofort an die Fersen heften: "Die Kollegen müssen sich jetzt nicht mehr schämen, mit den Rädern zu arbeiten." Anfang der 90er, erzählt Kleinferchner, habe es schon einmal Radpatrouillen gegeben, das habe sich aber im Sand verlaufen, die Räder waren zu alt und die freiwillig sportlichen Polizisten blieben mit der Zeit auch aus.
Jetzt gibt es neue Räder und eigene Raduniformen. Früher fuhren die Polizisten in voller Montur. Auch eine Sonderregelung gibt es, denn eigentlich darf im Stadtpark nicht Rad gefahren werden. Die Polizeiräder als Fahrzeuge des öffentlichen Sicherheitsdiensts sind aber legal unterwegs.
Gegen Radverkehrssünder soll vorgegangen werden, vor allem aber gegen Rauschgifthändler, denn im Stadtpark gebe es nicht nur das Gras, das dort wachse. "Die Dealer springen auf ihr Rad und sind weg", sagt Eduard Hamedl, Sicherheitssprecher der steirischen ÖVP. Dass sich das Problem durch die Patrouillen auch nur verlagern könnte, ist Hamedl bewusst: "Aber wenn Sie jeden Tag überfallen werden, können wir auch nicht sagen, wir passen nicht auf Sie auf, weil der sonst eh nur jemand anderen überfällt."
Geradelt wird, solange es das Wetter zulässt. Bei Glatteis werden die sechs Radpolizisten nicht durch den Stadtpark schlittern müssen. (APA, fog, DER STANDARD Printausgabe 14.9.2006)