Schlaff-Interesse an Öltransit-Firma: Letten vermuten russisches Geld

5. Oktober 2006, 16:08
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Österreicher-Konsortium angeblich mit größtem Privataktionär bei Ventspils Nafta weitgehend einig - Lettland will für 39 Prozent mindestens 105 Millionen Euro

Riga/Helsinki - Der zur Vollprivatisierung anstehende lettische Pipeline-Betreiber Ventspils Nafta (VN) könnte möglicherweise über das österreichische Investoren-Trio Herbert Cordt, Martin Schlaff und Josef Taus unter russische Kontrolle geraten. Das Kursieren von Vermutungen, wonach hinter dem Konsortium russisches Kapital stehen dürfte, bestätigte die lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga zu Wochenbeginn am Rande des ASEM-Gipfels in Helsinki.

Bereits im Juni war in den lettischen Medien ein Schreiben der von Cordt, Schlaff und Taus beauftragten Citigroup vom Februar aufgetaucht, in dem dem damaligen lettischen Wirtschaftsminister Krisjanis Karins mitgeteilt wurde, die Österreicher würden mit der russischen Regierung über eine Wiederaufnahme der Erdöl-Lieferungen über den lettischen Seehafen Ventspils verhandeln.

Neben Cordt, Schlaff und Taus wurden in lettischen Medien unter anderen der polnische Ölkonzern PKN Orlen, die kasachische Kazmunaigaz sowie die russische Rosneft als Interessenten für die Übernahme von Ventspils Nafta genannt. Beobachter in Wirtschaftskreisen in Riga rechnen damit, dass VN so oder so letztendlich in russische Hand geraten dürfte.

Auktion am 5. Oktober

Präsidentin Freiberga sieht grundsätzlich kein Problem in der von Herbert Cordt Anfang September als unzeitig und verfehlt kritisierten Privatisierung der 38,62 Prozent Staatsanteile. Die Privatisierung soll am 5. Oktober in einer Auktion an der Rigaer Börse über die Bühne gehen. Freiberga verwies unter anderem darauf, dass die als Berater für den Verkauf der Staatsanteile beauftragte Parex-Bank der Regierung einen Mindestpreis garantiert habe. Laut der lettischen Nachrichtenagentur LETA beträgt dieser Preis 1,81 Lats (2,60 Euro) pro VN-Aktie. Zum Verkauf kommen 40.345.556 Aktien, das ergibt einen Mindestverkaufspreis von rund 105 Mio. Euro. Bei der Versteigerung muss für Aktienpakete von mindestens 19.415 Stück geboten werden.

Die Österreicher scheinen aber ohnehin eine andere Taktik zu verfolgen, um die Mehrheit an dem Unternehmen zu erlangen. In einem Interview mit der russischsprachigen Rigaer Tageszeitung "Telegraf" sagte Herbert Cordt vor rund einer Woche, das Konsortium stehe vor der Übernahme des Erdölunternehmens Ventbunkers und damit auch des größten Privateigentümers bei Ventspils Nafta, Latvijas Naftas Transits (LNT). Man sei sich mit den meisten Eigentümern praktisch einig. "Um Hauptaktionär zu werden, müssen wir nur etwa zwei Prozent der VN-Aktien an der Börse kaufen", sagte Cordt im "Telegraf".

Heikler Privatisierungstermin

Der lettische Hafen Ventspils und die dort angesiedelten Öltransit-Einrichtungen leiden seit drei Jahren unter einem russischen Erdöl-Lieferstopp. Ventspils war einstmals der bedeutendste Ölterminal der Sowjetunion an der Ostsee. Die seit einem Jahrzehnt in Schwebe befindliche Privatisierung ist in Lettland vor den Parlamentswahlen am 7. Oktober - zwei Tage nach der geplanten VN-Auktion an der Rigaer Börse - zudem ein heikles Politikum. (APA)

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