Solarenergie: Grüne kritisieren Wien als "absolutes Schlusslicht"

8. Oktober 2006, 17:59
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Chorherr: Förderung droht nicht verlängert zu werden - Wiener SPÖ weist Kritik zurück

Wien - Der Wiener Grün-Gemeinderat Christoph Chorherr warnt vor einer "Energiewende" der besonderen Art: Laut seinen Angaben läuft die Förderung für thermische Solaranlagen in der Bundeshauptstadt heuer aus. Sie drohe ohne weitere Verlängerung "im Sand zu verlaufen". Und dies, obwohl Wien ohnehin "absolutes Schlusslicht" in Sachen Solarenergie sei, wie Chorherr im APA-Gespräch kritisierte.

"Die Gesamtfläche an Kollektoren ist sehr gering. Dazu gibt es außerdem nur eine bescheidene Förderung, die jetzt ausläuft", so Chorherr. Wien liegt demnach mit 45 Quadratmeter Solaranlagen pro 1.000 Einwohnern an letzter Stelle aller Bundesländer. Der Budgetrahmen für die Wiener Solarförderung betrug demnach 2006 rund 800.000 Euro.

Dass Wien die "rote Laterne" weiter behalten wird, ist laut Chorherr eher nicht zu ändern - etwa weil Wien sehr dicht bebaut und auch das Fernwärmenetz gut ausgebaut sei. Allerdings gebe es trotzdem "enormes Potenzial" für Solaranlagen. So gebe es rund 25.000 Kleingärten und 45.000 Ein- und Zweifamilienhäuser ohne Fernwärmeanschluss.

Nicht ernst genommen

"Solarenergie ist in Wien nie richtig ernst genommen worden. Mir geht es darum, den Abstand zu den anderen Bundesländern zu verringern", betonte Chorherr. Als Vorbild nannte er das - schwarz-grün regierte - Bundesland Oberösterreich: Mehr als 6 Mio. Euro seien dort im Jahr 2005 für die Förderung thermischer Solaranlagen ausgegeben worden.

Laut Chorherr sind Ressortstreitigkeiten im Rathaus dafür verantwortlich, dass die Wiener Förderung für das kommende Jahr gefährdet ist. Der Grün-Politiker fordert aber nicht nur eine Verlängerung der Unterstützung, sondern auch eine kräftige Erhöhung. Das Fördervolumen, so verlangte Chorherr, solle jährlich 2 Mio. Euro betragen.

Ekkamp: "Haben beste Solarförderung Österreichs"

Die regierende Wiener SPÖ wies am Mittwoch die Kritik des Grünen-Gemeinderates Christoph Chorherr weit von sich, die Solarförderung in der Bundeshauptstadt sei zu gering. Dies sei ein "billiges Wahlkampfmanöver", mit dem Chorherr die Wiener Förderung madig machen wolle, meinte SP-Gemeinderat Franz Ekkamp in einer Aussendung. Wien habe die beste Solarförderung Österreichs, die auch in Zukunft gesichert sei.

Wien fördere immerhin 40 Prozent der Investitionskosten, unterstrich der SPÖ-Mandatar. 2005 seien 154 Anträge behandelt worden, was einer Steigerung von zehn Prozent gegenüber 2004 entspräche. Durch die ausgeschütteten 440.000 Euro Förderung habe man ein Investitionsvolumen von rund 1,8 Mio. Euro ausgelöst.

Scheinbar sei den Grünen im Wahlkampf jedes Thema Recht, um Wien schlecht zu reden, meinte Ekkamp. "Und dass die Grünen auf eine schwarz-grüne Koalition wie in Oberösterreich schielen, ist ja wirklich nichts Neues", beschied der SPÖ-Politiker. (APA)

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