...nur die Lipizzaner fehlen

25. Juni 2000, 18:54

Österreich und die Expo 2000: Lebenskunst in Halle 14

Mensch - Natur - Technik", das Motto der Expo 2000 in Hannover, zielt auf ein Thema, das scheinbar nicht zu verfehlen ist. Österreich beweist jedoch eindrucksvoll das Gegenteil. Und das ist schade. Hinter der titelgebenden Dreifaltigkeit von Allerweltsbegriffen - irgendwie erinnert das an alte Geographiebücher aus der Schule - steht nämlich ein durchaus bedenkenswerter Anspruch: die Idee der nachhaltigen Entwicklung.

Auf dem UNO-Erdgipfel von Rio 1992 als neues Zukunftsmodell postuliert, hat der Begriff "Nachhaltigkeit" weltweit zumindest rhetorisch seinen Niederschlag gefunden. Auf Basis der so genannten "Agenda 21" soll ein Weg zur dauerhafen, ökologischen Zukunft eingeschlagen werden. Nachhaltigkeit - ein altes Prinzip aus der Forstwirtschaft - ist so einfach wie einleuchtend: nicht mehr Holz schlagen, als gleichzeitig nachwächst. Als Leitmotiv der Entwicklung heißt das: Ressourcen schonen, auf regenerative Prozesse setzen, nicht auf Kosten der Nachkommenden leben.

Thema verfehlt

Die Expo will eine Leistungsschau von solch zukunftsweisenden Projekten sein und "orientiert sich inhaltlich an den Leitsätzen der Agenda 21". So steht es auf der Expo-Homepage. Und was macht Österreich? "Land der LebensKunst" lautet der nicht einmal doppeldeutig gemeinte Beitrag, der unser Land auf dem Weg ins 21. Jahrhundert positionieren soll. Er stilisiert die alten Klischees mit Land und Leuten, nur die Lipizzaner fehlen.

Natürlich hat unser Pavillon in Halle 14 auch seinen Reiz: Vor allem die Sitz- und Liegelandschaft mit Kissen und Ruhemöglichkeiten ist eine willkommene Insel im Wettbewerb der High-Tech-Reiz-Angebote; dazu die wunderschönen Österreich-Bilder von Georg Riha . . . Bloß: Was hat das alles mit Nachhaltigkeit zu tun?

Rudolf Ruzicka, Leiter des österreichischen Expo-Büros, räumt in einem Brief an den Autor selbst ein, "dass wir . . . nur sehr wenig Informationsmaterial zum Themenkreis ,Umwelt und Nachhaltigkeit' aus österreichischer Sicht haben." Auch im österreichischen Kulturprogramm zur Expo finden sich zwar über 200 Aktivitäten, aber kein einziger Beitrag zum Leitthema.

Der österreichische Expo-Fehlgriff hat Geschichte. Mit der Vorbereitung war traditionsgemäß die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) betraut. Das erste Konzept aus dem Jahr 1998 - "Österreich als nachhaltiger Wirtschaftsstandort" - wurde von den deutschen Expo-Machern überhaupt abgelehnt: inhaltlich ungenügend, ein Allerweltskonzept, das einen Missbrauch der Expo als Exportmesse bedeutet hätte.

Nach dieser Abfuhr wurde - wiederum im stillen (Wirtschafts-)Kämmerlein - ein zweiter Versuch gestartet. Vorschläge von anderen Seiten waren im heimischen Expo-Kammergut aber auch beim zweiten Anlauf nicht eben willkommen. Dem "Österreichischen Rat für nachhaltige Entwicklung" etwa, ein im Umweltministerium angesiedeltes Gremium von Beamten, Wissenschaftern und NGOs, ist es trotz wiederholter Versuche nicht gelungen, dem Expo-Büro konzeptive Ideen zu unterbreiten.

Anderes als inhaltsleere Adjektive hält der österreichische Weltausstellungsbeitrag zum Thema Nachhaltigkeit jedenfalls nicht bereit. Zitat: "Österreich ist nachhaltig durch hohe Unterschiedlichkeit auf relativ kleinem Raum geprägt" (sic!) - nachzulesen im offiziellen Folder zum Österreich-Pavillon.

Zur nationalen Ehrenrettung sei allerdings gesagt: Es gibt auch - außerhalb des Österreich-Pavillons - Projekte, die zum Expo-Thema passen: In der Halle der "Weltweiten Projekte" präsentieren sich etwa das "Agrarökologische Projekt Krappfeld", Ökoprofit Graz, das Projekt "Natur und Leben im Bregenzerwald" oder der Krameterhof mit seiner Permakultur auf über 1000 Meter Seehöhe im Lungau.

Wie die insgesamt acht zukunftsweisenden Projekte aus Österreich ausgewählt wurden, konnte Dr. Ruzicka allerdings auch nicht sagen. Nur zur Information: 250 Mio. Schilling hat die österreichische Beteiligung gekostet. Schad drum.

Mag. Franz Maier ist Geschäftsführer des Umweltdachverbandes ÖGNU.

Im österreichischen Expo-Pavillon kümmert man sich mehr um Klischees als um Zukunftsmodelle. Das schadet vielleicht nicht, aber wem nützt es?, fragt ÖGNU-Chef Franz Maier.
Share if you care.