Alitalia rutscht tiefer in Verlustzone

5. Oktober 2006, 16:14
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Nettoverlust von mehr als 221 Millionen Euro im ersten Halbjahr

Rom - Die italienische Fluggesellschaft Alitalia ist im ersten Halbjahr 2006 tiefer in die roten Zahlen gerutscht und rechnet nun damit, auch das Gesamtjahr mit einem Verlust abzuschließen. Für die sechs Monate bis Ende Juni legte die Gesellschaft am Dienstag einen Nettoverlust von mehr als 221 Millionen Euro vor.

Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus 125 Millionen Euro betragen. Der operative Verlust stieg den Angaben zufolge auf 131,8 Millionen Euro von 83,8 Millionen im ersten Halbjahr 2005.

Aktie bricht ein

Am Mittwoch ist der Aktienkurs in der Folge um 10 Prozent auf 0,814 Euro gesunken. Rund drei Prozent des gesamten Aktienkapitals der Gesellschaft wurden gehandelt. Die Börse reagierte auf die Ergebnisse des ersten Halbjahres 2006, aus denen hervorgeht, dass die Airline tief in die roten Zahlen gerutscht ist und nun damit rechnet, auch das Gesamtjahr mit einem Verlust abzuschließen.

Nach Angaben der italienischen Wirtschaftszeitung "Sole 24 ore" (Mittwochausgabe) soll im Oktober ein neuer Rettungsplan vorgelegt werden, mit dem der Airline eine Überlebenschance gegeben werden soll. Der letzte Sanierungsplan war Ende 2004 verabschiedet worden, hatte jedoch nicht die erhofften Resultate gezeigt.

Geschäftsführer bangt um seinen Job

Inzwischen wackelt der Sessel des Alitalia-Geschäftsführers Giancarlo Cimoli, der seit zwei Jahren den Konzern leitet. Die Regierung unter Romano Prodi sei bereits auf der Suche nach einem Nachfolger. Cimoli hatte gehofft, Alitalia bis Ende 2005 in die Gewinnzone zu bringen, es jedoch nicht geschafft.

Die Dauerkrise der italienischen Fluggesellschaft hat den Staat in den letzten zehn Jahren um die 3 Mrd. Euro gekostet. Wegen der nicht erfolgten Privatisierung hat die Fluggesellschaft ihre Flugzeuge mit Hypotheken belasten müssen und einen Schuldenberg von 900 Mio. Euro angehäuft. Seit 1995 sind mindestens sechs Sanierungsversuche fehlgeschlagen. In den vergangenen fünf Jahren hat es die Gesellschaft versäumt, die jeweiligen Bilanzziele mit Nachdruck zu verfolgen. Die Alitalia-Sanierung ist für die öffentlichen Kassen zu einer Dauersteuer geworden.

Die Gewerkschaft ihrerseits droht bereits mit Protestaktionen, sollte Cimoli nicht sofort zurücktreten. Die rund 10.500 Mitarbeiter der Fluggesellschaft hatten bereits am vergangenen Donnerstag 24 Stunden lang die Arbeit niedergelegt. (APA/Reuters)

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