FPÖ will Seibersdorf "retten"

5. Oktober 2006, 14:01
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700 Unterschriften für "SOS Seibersdorf" - Freiheitliche fordern Rechnungshof-Prüfung

Wien – Nach zahlreichen Postenbesetzungen mit FPÖ-Funktionären und ihnen nahe stehenden Burschenschaftern will nun ausgerechnet die FPÖ die Austrian Research Centers (ARC) retten. Konkret vor der drohenden Privatisierung, wie FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky am Dienstag forderte, und zwar um "die parteipolitischen Agitationen von SPÖ, ÖVP und BZÖ rund um das ARC-Seibersdorf umgehend zu stoppen".

Nicht jetzt, dafür aber in der nächsten Gesetzgebungsperiode will die FPÖ auch Rechnungshof-Prüfer nach Seibersdorf schicken, weil rote und schwarze Betriebsräte plus Industrie eine Skandalwelle gegen das Forschungszentrum inszeniert hätten. Selbige diene nur dazu, das "Forschungsflaggschiff" zu zerschlagen und zu privatisieren.

Damit ist klar, die Nervosität vor der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ist groß. Spätestens nach der Wahl, heißt es in der Industrie, müsse und werde etwas geschehen. Die große Hoffnung der Seibersdorfer: Dass FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf, als Gesamtprokurist neben ARC-Geschäftsführer Helmut Krünes und Sektionschef Andreas Reichhardt Drahtzieher der burschenschafterlichen Personalpolitik, die Rückkehr ins Parlament schafft. Als Volksvertreter müsse Graf wohl aus der ARC-Leitung ausscheiden. "Aber nur, wenn der Unvereinbarkeitsausschuss dies anordnet", sagt Verfassungsrechtler Heinz Mayer.

"Oft sind Abfertigungen die beste Investition, wenn es um das Wohl des Unternehmens geht", empfiehlt Böhler-Chef Claus Raidl, dessen Konzern zwar ARC-Aktionär, im Aufsichtsrat aber nicht vertreten ist, – ohne Namen zu nennen.

Beschäftigen werden den 19-köpfigen Aufsichtsrat auch die 709 Unterschriften (davon 521 namentlich genannt, Stand Dienstagnachmittag) für die als SOS-Aktion angelegte Online-Initiative "Pro Forschung". Unter ihnen: Ex-Vizekanzler Erhard Busek und zahlreiche Uni-Professoren. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.9.2006)

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