LL601 taucht in Deutschland, Frankreich und Schweden auf

5. Oktober 2006, 12:22
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Proben müssen erst mit EU-Standardtests verifiziert werden

Paris/Stockholm - In Schweden sind in einer Lieferung von etwa 30 Tonnen Reis aus den USA Spuren der gentechnisch veränderten Sorte LL 601 gefunden worden. Das teilte die schwedische Lebensmittelaufsicht am Mittwoch mit. Die Behörde nahm Proben aus Lagern von fünf Unternehmen. Bisher seien in den Körnern aus zwei Firmen Spuren von LL 601 gefunden wurden. Ob die Unternehmen die Körner vernichten oder in die USA zurücksenden, liege im Ermessen der Firmen, hieß es weiter.

Der Anteil des gentechnisch modifizierten Reis' an der Gesamtmenge der amerikanischen Lieferung liegt den Angaben zufolge bei weniger als 0,1 Prozent. In schwedischen Supermärkten wird derzeit kein Reis aus den Regalen genommen.

Ärger in Frankreich

In Frankreich reagierten Politik und Umweltorganisationen alarmiert und verärgert auf die bereits am Dienstag bekannt gewordene Entdeckung von LL 601 in dem Land. Der Vorgang "zeigt die erneute Unfähigkeit der amerikanischen Behörden, die Rückverfolgbarkeit genetisch veränderter Produkte zu sichern", kritisierte Yves Bertheau, Forscher am staatlichen Institut für landwirtschaftliche Forschung.

Greenpeace Frankreich prangerte eine "Politik der vollendeten Tatsachen" an: "Man zieht die genetisch veränderten Organismen illegal auf und wenn die Umwelt einmal verschmutzt ist, sagt man, es sei zu spät, es rückgängig zu machen." Es sei "das erste Mal, dass ein mit Gentechnik verseuchtes Produkt sich direkt auf unseren Tellern befindet", sagte Greenpeace-Gentechnikexperte Arnaud Apoteker.

Nachweis in Deutschland

LL601 aus den USA ist erstmals offiziell in Deutschland nachgewiesen worden. Dabei handelt es sich nach Informationen vom Mittwoch um einen Fund des gentechnisch veränderten Reises in Baden-Württemberg. Die Lebensmittelüberwachung soll ihn im Lebensmitteleinzelhandel entdeckt haben. Nun soll die Ware aus dem Verkehr gezogen werden. Der Discounter Aldi hatte zuvor fragliche Ware in Norddeutschland und im Großraum Berlin aus den Regalen genommen. Nach Angaben aus Brüssel wurden auch in Frankreich und Schweden in Reisproben Spuren von LL601 entdeckt. Die Ergebnisse in Österreich stehen noch aus.

Aldi nimmt verdächtigen Reis aus den Regalen

In Deutschland enthält laut Greenpeace der bei dem Discounter Aldi Nord erhältliche Langkornreis der Marke Bon-Ri aus den USA Spuren von genmanipuliertem Reis, bei dem es sich sehr wahrscheinlich um die Sorte LL601 handle. Die Österreich-Tochter von Aldi ist laut Greenpeace nicht betroffen. Aldi Nord hat die verdächtige Reis-Sorte aus den Regalen genommen.

Laut EU-Experten wurden in Deutschland seit 1999 rund 480 Proben gezogen - bisher alle negativ. Allerdings entsprechen die Testmethoden nicht den beiden in der EU anerkannten Verfahren für LL601.

Die EU-Kommission hatte am Montag mitgeteilt, dass bei einer Testreihe des Verbandes der europäischen Reismühlen in 33 von 162 Proben - also rund 20 Prozent - Spuren der nicht zugelassenen Sorte LL601 gefunden wurden. Alle Lieferungen, die den verbotenen gentechnisch veränderten Reis enthielten, seien gestoppt oder vom Markt genommen worden, versicherte die Branche nach Kommissionsangaben. (APA/dpa)

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