Verbotener Genreis in EU in jeder fünften Probe gefunden

25. Oktober 2006, 19:45
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In der EU nicht zugelas­sener, gentechnisch veränderter Reis befindet sich in jeder fünften untersuchten Probe. Ergebnisse österreichischer Tests fehlen noch

Brüssel - Mehr als jede fünfte Probe Langkornreis in Europa enthält den verbotenen Genreis LL601. Dieses Ergebnis von Testreihen der Industrie hat die Europäische Kommission nach einem Treffen von Lebensmittelexperten aller 25 Mitgliedstaaten in Brüssel veröffentlicht. Die Firmen des europäischen Verbands der Reismühlen hätten 162 Proben auf den gentechnisch veränderten Reis aus den USA untersucht. In 33 Fällen seien sie fündig geworden. Alle Lieferungen, die den verbotenen Genreis enthielten, wurden gestoppt oder vom Markt genommen, versicherte die Branche nach Kommissionsangaben.

Auch in Österreich sind Proben gezogen worden, berichtete die APA. Für den Langkornreis aus den USA wurden 100 Proben, für Reiserzeugnisse aus China 50 Proben angeordnet, hieß es am Dienstag aus dem Gesundheitsministerium. Ergebnisse gibt es bisher noch keine. Doch sollte eine Probe positiv sein, werde das sofort im Gesundheitsministerium gemeldet. Und das war bisher noch nicht der Fall.

Grüne für sofortigen Import-Stopp

Die stv. Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig, forderte einen sofortigen EU-weiten Importstopp für US-Reis. "Es ist ein Skandal, dass mehr als 20 Prozent der Langkornreis-Proben in Europa verbotenen Genreis der Firma Bayer beinhalten. Für den Reis existiert keine Risikobewertung nach EU-Standards", meinte Glawischnig. Zudem müsse Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat die bundesweiten Kontrollen massiv verstärken, forderte Glawischnig. Die Brüsseler Behörde erinnerte die Firmen an ihre Verpflichtung, die Mitgliedstaaten über jeden entdeckten Fall zu unterrichten. Staatliche Stellen in den EU-Staaten hätten noch keine oder keine sicheren Testergebnisse. Mehrere EU-Staaten haben laut Kommission erklärt, erst in ein bis zwei Wochen mit aussagekräftigen Testreihen beginnen zu können. Brüssel forderte die Mitgliedstaaten zu größeren Anstrengungen bei den Untersuchungen auf.

In einer Schiffsladung Reis, die seit mehr als zwei Wochen im Hafen von Rotterdam festgehalten wird, wurde der verbotene Genreis LL601 nach Angaben der niederländischen Behörden ebenfalls gefunden. Drei Teilladungen der insgesamt 20.000 Tonnen Reis seien verunreinigt gewesen. 20 Teilladungen seien hingegen negativ getestet worden. Die Ladungsteile ohne Befund wurden den Angaben zufolge freigegeben – sie waren für Deutschland und Großbritannien bestimmt. Die verunreinigte Ladung werde zerstört oder in die USA zurückgeschickt. Die EU-Kommission bat die betroffenen Mitgliedstaaten, den Informationen der Umweltorganisationen Greenpeace und Friends of the Earth über gentechnisch veränderten Reis aus China nachzugehen. Brüssel warte noch auf eine Bestätigung dieser Angaben aus den EU- Staaten. (Michael Moravec, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.9.2006)

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    gentechnisch veränderter, nicht zugelassener Reis auch in Österreich in den Handel gekommen ist, steht noch nicht fest. 150 Proben müssen erst ausgewertet werden. Bisher hauptsächlich betroffen sind Schweden, Frankreich und Deutschland.

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