Gehrer hinterfragt Art der Datenerhebung

18. September 2007, 10:56
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Bildungsministerin sieht Studie als "gute Rückmeldung" - Österreich müsse sich bei Bildungsinvestitionen "nicht verstecken"

Wien - Als "gute Rückmeldung, die man ernst nehmen muss", bezeichnete Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) im Gespräch mit der APA die heute, Dienstag, veröffentlichte OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" (Education at a Glance). Man müsse aber auch die Art der Datenerhebung "hinterfragen", sagte Gehrer. Als Beispiel nannte sie etwa das von der OECD erhobene Lehrer-Schüler-Verhältnis, bei dem in der diesjährigen Studie erstmals die Direktoren herausgerechnet worden seien. Längerfristige Vergleiche würden damit erschwert.

Gehrer sieht Trend zur höheren Bildung

Aus dem knapp 500-seitigen Bericht hob Gehrer vor allem jene Vergleichskategorien hervor, in denen Österreich "wie schon in den vergangenen Jahren gut abschneidet". So verweist sie auf den anhaltenden Trend zur höheren Bildung und das hohe Bildungsniveau in Österreich: 80 Prozent der 25- bis 64-Jährigen hat mindestens die Sekundarstufe II (Matura oder Lehre) abgeschlossen (OECD-Schnitt: 67 Prozent).

Bei den Bildungsinvestitionen brauche sich Österreich "nicht zu verstecken" meinte Gehrer unter Hinweis auf die Absolutzahlen: Demnach liegen die jährlichen Ausgaben je Volksschüler bei 7.139 Dollar (kaufkraftbereinigt; OECD-Schnitt: 5.450 Dollar), je Schüler der Sekundarstufe (Hauptschule, AHS, BHS) bei 8.943 Dollar (OECD: 6.962 Dollar) und je Student bei 12.344 Dollar (OECD: 11.254 Dollar). Dass der Anteil an den Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 5,5 Prozent gesunken ist, führt man im Bildungsministerium vor allem auf das starke BIP-Wachstum (plus 44 Prozent seit 1995) zurück. Dagegen seien die Bildungsausgaben in Österreich im gleichen Zeitraum mit plus 25 Prozent deutlich stärker gestiegen als der Bundeshaushalt mit plus 20 Prozent.

"Gute Betreuungssituation"

Gehrer verweist weiters auf die "gute Betreuungssituation an Österreichs Schulen". Obwohl heuer erstmals die Direktoren herausgerechnet wurden, weise Österreich mit einem Verhältnis von 15,1 Schülern pro Lehrer in der Volksschule eine deutlich bessere Betreuung auf als im OECD-Schnitt (16,9). Die entsprechenden Werte in der Sekundarstufe liegen in Österreich bei 10,7, in der OECD bei 13,3. Auch die durchschnittliche Klassengröße liege an den Volksschulen mit 20,1 Kindern pro Klasse unter dem OECD-Schnitt von 21,4, an der AHS-Unterstufe bzw. Hauptschule mit 24,3 leicht über dem OECD-Schnitt von 24,1.

Sieben- bis Acht-Jährige haben in Österreich weniger Unterricht als in den anderen Industriestaaten (755 Stunden pro Jahr gegenüber OECD-Schnitt 785), Neun- bis Elf-Jährige praktisch gleichviel (Ö: 835 Stunden, OECD: 831) und Zwölf- bis 14-Jährige deutlich mehr (Ö: 985 Stunden, OECD: 928).

Ministerin dementiert Absinken

Im Uni-Bereich verweist Gehrer auf die Akademikerquote (Akademiker, die in Österreich leben und zwischen 25 und 64 Jahre alt sind), die mit 18 Prozent (Hochschul- und Akademie-Absolventen) im Vergleich zum Jahr davor (15 Prozent) "stark gestiegen" sei und sich seit 1995 mehr als verdoppelt habe (1995: 8,0 Prozent). Gleichzeitig betont sie die begrenzte Vergleichbarkeit dieses Indikators, da in vielen Ländern Ausbildungen wie jene zur Kindergärtnerin bzw. Krankenpfleger akademisch seien. Ebenso fast verdoppelt hat sich die Zahl jener eines Altersjahrgangs, die ein Uni- oder Fachhochschul-Studium abschließen: 1995 waren das zehn Prozent, 2004 bereits 19,6 Prozent. Bei der Abschlussquote bei Doktoratstudien liegt Österreich mit 2,1 Prozent eines Altersjahrgangs im internationalen Spitzenfeld (OECD: 1,3 Prozent).

(APA)

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