Von Fälschern, Schwindlern, Scharlatanen

12. November 2006, 17:42
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Vom kleinen Schummler bis zum kriminellen Betrüger: Wo Wissenschafter den Pfad der Wahrheit verließen

Die Aussicht auf Geld und Ruhm rütteln bekanntermaßen am moralischen Grundgerüst selbst der tugendreichsten Menschen. Wenn dann auch noch gesellschaftliche Erwartungen und kollegialer Druck dazu kommen, mag mancher sich zur Schummelei, gar zur groß angelegten Fälschung verleitet fühlen, wie zuletzt der tiefe Fall des südkoreanischen Klonforschers Hwang gezeigt hat.

Dass Forscher nicht davor gefeit sind das Ideal der Wissenschaft, der Annäherung an die Wahrheit, zu verraten, zeigt sich aber nicht erst in der jüngsten Geschichte. Bereits der Brite Charles Babbage ließ sich in seinem 1830 erschienen Werk "Betrachtungen über den Niedergang der Wissenschaft in England" über verschiedene Betrugsformen auf diesem Gebiet aus. Der Kaiserslautener Humanbiologe Heinrich Zankl beschreitet in seinem Buch "Fälscher, Schwindler, Scharlatane" ganz ähnliche Pfade.

Ja, selbst die Titanen...

In den fünf Kapiteln "Physik und Mathematik", "Chemie und Biologie", "Medizin", "Psychologie und Pädagogik" und "Archäologie, Anthropologie und Ethnologie" widmet Zankl sich den Schönfärbereien, Mogeleien und Ergebnis-Fälschungen. Die Auswahl der Fälle beginnt bei mehr oder weniger kleinen Fischen und reicht bis zu – oh ja, auch sie haben es fallweise mit der Wahrheit nicht so genau genommen - den Titanen der modernen Wissenschaft, wie Galileo, Einstein, Mendel und Freud.

Zankls Stil liest sich kurzweilig und kompetent, die angeführten Fälle belegt der Autor mit Literaturzitaten und Internetverweisen. Auch wenn man sich vielleicht etwas mehr Leichtigkeit und Humor gewünscht hätte – immerhin geht mit der Entrüstung über so viel kaltblütigen Betrug eine gute Portion Schadenfreude über deren Aufdeckung einher – hält sich Zankl mit dem moralischen Zeigefinger zurück.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass selbst bei all der Scharlatanerie das Renommee der Wissenschaft insgesamt erfreulicherweise bis heute keinen ernsthaften Schaden genommen hat. Damit dies auch so bleibt, ist Wachsamkeit oberstes Gebot, wenn wieder einmal die einen oder anderen Ergebnisse besonders passend ausfallen. (red)

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Teilnahmeberechtigt sind wie gehabt alle, die einen Beitrag zu unserer Rubrik "Dumm(?) gefragt" einschicken.

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  • Heinrich Zankl: "Fälscher, Schwindler, Scharlatane", Wiley-VCH Verlag.
    foto: wiley-vch verlag

    Heinrich Zankl: "Fälscher, Schwindler, Scharlatane", Wiley-VCH Verlag.

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