Putschisten auf Fidschi-Inseln ließen weibliche Geiseln frei

25. Juni 2000, 14:14

Einfluss der indischen Minderheit soll drastisch eingeschränkt werden

Suva - Auf den Fidschi-Inseln haben die Putschisten nach fünfwöchiger Gefangenschaft vier ihrer 31 Geiseln freigelassen. Die Aufständischen ließen in der Nacht zum Sonntag alle vier weiblichen Geiseln gehen. Sie hielten im Parlament aber weiterhin 27 männliche Regierungmitglieder und Abgeordnete fest, unter ihnen den bisherigen Ministerpräsidenten Mahendra Chaudhry. Ungeachtet der versöhnlichen Geste der Geiselnehmer brach die Militärregierung die Verhandlungen mit den Putschisten zur Beendigung der seit mehr als einem Monat andauernden Krise am Sonntag ab.

Die Gespräche steckten in der Sackgasse, die Geiselnehmer präsentierten immer neue und widersprüchliche Forderungen, sagte ein Militärsprecher zur Begründung. Militärsprecher Filipo Tarakinikini bemängelte, die Putschisten hätten keinen einheitlichen Sprecher: "Sie legen uns immer wieder neue Forderungslisten vor. Die Gespräche stecken fest. Wenn ein Mann das Verhandlungsmandat hätte, wäre es leicht. Aber wir haben es mit einer Gruppe zu tun."

Der Geschäftsmann George Speight und eine Gruppe von Anhängern hatten das Parlament am 19. Mai gestürmt und den indischstämmigen Regierungschef sowie Minister und Abgeordnete als Geiseln genommen. Sie wollen den Einfluss der indischen Minderheit in Fidschi drastisch einschränken. Wegen des Putschversuchs riss wenige Tage später das Militär die Macht an sich.

Mütter freigelassen

Eine der vier Freigelassenen, Adi Koila Mara, ist die Tochter des früheren Präsidenten Ratu Sir Kamisese Mara. Sie durfte das Parlamentsgebäude verlassen, um an einer Beerdigung im Familienkreis teilzunehmen. Speight erklärte, man habe die anderen drei Frauen ebenfalls gehen lassen, weil sie Mütter seien und ihre Kinder auf den Wiederbeginn der Schule in dieser Woche vorbereiten müssten. Maras Kollegin Lavinia Padarath berichtete, sie habe zwar in den ersten beiden Wochen ihrer Gefangenschaft um ihr Leben gefürchtet, insgesamt gesehen seien sie aber nicht schlecht behandelt worden.

Neue Verfassung gefordert

Speight hatte am Samstag damit gedroht, die Geiselnahme noch einen weiteren Monat andauern zu lassen. Die Gefangenen kämen erst wieder auf freien Fuß, wenn das Militär die Regierungsgewalt dem einflussreichen Rat der Häuptlinge übertrage, einer Vertretung der melanesischen Fidschi-Ureinwohner. Die Putschisten verlangen eine neue Verfassung, in der den Fidschi-Ureinwohnern die Macht zugesichert werden soll, sowie Straffreiheit für sich.

In dem östlich von Australien gelegenen Inselstaat stellen die Ureinwohner knapp die Mehrheit der Bevölkerung. Etwa 43 Prozent der Bevölkerung sind Nachfahren von Indern, die von der früheren Kolonialmacht Großbritannien Ende des 19. Jahrhunderts ins Land geholt wurden. Unter dem Eindruck der Ereignisse haben aber mittlerweile viele Inder das Land verlassen. Sie gelten als wirtschaftlich erfolgreicher als die Fidschi-Ureinwohner. Die Wirtschaft Fidschis hat durch die politischen Wirren schweren Schaden erlitten, nicht zuletzt weil Touristen ausbleiben. (APA)

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