IG Windkraft fordert höhere Einspeisetarife

8. Oktober 2006, 17:59
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Hantsch: Mehr als 8 Cent/kWh nötig - Neue Einspeisetarife sollen bis Ende September feststehen

Wien - Die neuen Einspeisetarife für Ökostrom sollen bis Ende September festgelegt sein. Für die entsprechende Verordnung ist nun die Begutachtungsfrist abgelaufen. Kritik kommt von der IG Windkraft, die höhere Einspeisetarife fordert und die vorgesehene Kürzung für neue Windkraft-Anlagen auf 7,5 Cent/kWh (für 2006) bzw. 7,4 Cent/kWh (2007) für eine Dauer von zehn Jahren kritisiert. Nach dem "alten" Ökostromgesetz 2002 wurden für 13 Jahre lang 7,8 Cent/kWh gezahlt. Die IG Windkraft fordert aktuell mehr als 8 Cent/kWh.

Eine "Schande" sei der geplante Tarif "auch wenn sich das 'Umweltmusterland' Österreich mit dem Atomstaat Nummer eins, Frankreich, vergleichen möchte. Dort erhalten Windkraftbetreiber 8,2 Cent/kWh und das sogar 15 Jahre lang", so IG-Windkraft-Geschäftsführer Stefan Hantsch in einer Pressemitteilung von heute, Montag. Nur an den Spitzenstandorten direkt an der Küste werde in Frankreich die Laufzeit auf bis zu zehn Jahre gesenkt.

In praktisch keinem Land in Europa, in dem derzeit Windkraftausbau stattfindet, lägen die Tarife unter 8 Cent/Kilowattstunde (kWh). So würden in Spanien derzeit an die 9 Cent/kWh gezahlt, in Portugal 8,4 Cent, in Deutschland und Tschechien 8,3 Cent/kWh.

Bekenntnisse

Im aktuellen Nationalratswahlkampf gebe es laufend überschwängliche Bekenntnisse für eine verbesserte Nutzung der erneuerbaren Energien. "Wenn dies ernst gemeint ist, müssen die kürzlich in Frankreich festgelegten Preise ein Vorbild für Österreich sein", so Hantsch. Die Ökostromtarife würden noch vor der Nationalratswahl zur "Nagelprobe für Wahlversprechen".

Die IG Windkraft weist auch darauf hin, dass die 7,8 Cent/kWh aus dem Ökostromgesetz 2002 durch die Inflation heute um 7 Prozent weniger wert seien als vor dreieinhalb Jahren. Zudem seien Steigerungen bei den Kosten für Anlagen bisher nicht ausreichend berücksichtigt. Kosten entstünden für die Anlagenbetreiber weiters auch durch die mit der Ökostromnovelle neu geschaffene "Zählpunktpauschale" sowie das "Systemdienstleistungsentgelt" von 0,069 Cent/kWh für die Netznutzung.

Geänderte Einspeistarife

Geändert werden Einspeisetarife auch für Biomasse, Biogas und Photovoltaik. Im Entwurf sind für feste Biomasse für 2006 - je nach Anlagengröße - 15,70 (alt: 16,00) Cent/kWh bis 11,30 (alt: 10,20) Cent/kWh vorgesehen. Bei Biogas aus landwirtschaftlichen Produkten reicht die Bandbreite von 17 (alt: 16,50) Cent/kWh bis 11,50 (alt:10,30) Cent/kWh und bei Photovoltaik von 49 (alt: 60) Cent/kWh bis 32 Cent/kWh. Vorerst keine neuen Tarife sind für Kleinwasserkraft geplant.

Per Ende Juni 2006 waren laut Regulierungsbehörde E-Control 151 Windparks mit 569 Windrädern in Betrieb. Die installierte Leistung der unter Vertrag stehenden Anlagen lag bei rund 960 MW. Bei fester Biomasse waren es 235 MW und bei Biogas 57 MW. In Summe betrug die installierte Leistung der "sonstigen Ökostromanlagen" (Windkraft, Biomasse, Biogas, Photovoltaik und Geothermie) 1.300 MW, Ende 2005 waren es 1.043 und Ende 2004 erst 754 MW. Zum Vergleich: Das Kraftwerk Wien Freudenau hat eine maximale Leistung von 172 MW.

Die unterstützte Ökostrom-Menge (ohne Kleinwasserkraft) wird nach Schätzungen der E-Control heuer bei rund 3.500 GWh liegen. Für 2007 erwartet die E-Control einen Anstieg der unterstützten Strom-Menge auf rund 4.800 GWh. Die Unterstützung des sonstigen Ökostroms hat sich 2005 auf 150 Mio. Euro belaufen und dürfte heuer auf 210 Mio. Euro steigen. Mit der Novellierung des Ökostromgesetzes sollen zu den bestehenden Förderungen pro Jahr nur mehr maximal 17 Mio. Euro dazukommen. (APA)

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