Die kommenden zwei Jahre werden für Microsoft entscheidend sein

2. November 2006, 11:15
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Der Softwarekonzern sieht sich einer "Attacke" an mehreren Fronten ausgesetzt - Von Firefox über Apple bis zu Google

Die Angriffe auf Microsoft haben in der jüngeren Vergangenheit stark zugenommen. Auf verschiedenen Fronten muss sich der Softwarekonzern gegen die Konkurrenz behaupten. Zwar ist die Marktführerschaft noch nicht wirklich ernsthaft gefährdet, aber die nächsten zwei Jahre werden kritisch für Microsoft.

IBM in den 90ern

Der Forrester-Analyst George Colony vergleicht gegenüber der englischen BBC den Status Quo von Microsoft mit jenem von IBM in den 90er Jahren. "Microsoft ist am verletzlichsten Punkt seiner Unternehmensgeschichte angelangt", so Colony. Verletzlich ist sicherlich eines jener Worte, das man nicht unbedingt für ein Unternehmen, dessen Software auf mehr als 90 Prozent aller Rechner dieser Welt läuft, finden würde. Doch das Monopol hat seine Tücken und der Mitbewerb schläft nicht (mehr).

Linux und Co.

Die Schwierigkeit eines Monopolisten liegen darin, selbiges zu halten und trotzdem noch innovativ zu bleiben. Zwischen der Befriedigung der Shareholdervalues und dem generieren neuer Märkte muss der Gewinn passen, Rückschläge dürfen keine allzu großen Auswirkungen haben und die Marktanteile müssen dennoch zumindest gehalten werden. Doch die Anzahl der Herausforderer ist in der jüngeren Vergangenheit gewaltig gewachsen. Aus dem Bereich der freien Software, rund um Linux und Co., sind Alternativen erwachsen, die, wenn überhaupt im niedrigen zweistelligen Bereich bei den Marktanteilen zu finden sind, aber stetig wachsen.

Geschlagene schlagen zurück

Als IBM mit seinem Betriebssystem OS/2 gegen Windows nicht mehr standhalten konnte und den Markt an die Redmonder abgeben musste, da schien "Big Blue" aus dem Rennen, doch nun melden sich die Geschlagenen zurück. IBM, HP, Sun und wie sie alle heißen - sie setzen Microsoft unter Druck indem sie Linux mit ihren Servern und anderer Hardware mitverkaufen. Linux konnte in der Vergangenheit mit seiner Sicherheit punkten und im Serverbereich sind freie Softwareprodukte längst zum Alltag geworden.

Keine Geek-Software mehr

Egal, wie man es auch dreht und wendet - Linux ist aus dem Stadion der "Geek-Software" entwachsen. Die Diskussionen, ob freie Software wirklich kostenlos ist, hin oder her, Linux kommt in die Unternehmen und wird immer mehr ein Konkurrent. Vor allem bei Behörden will man sich, aus den unterschiedlichsten Gründen von Microsoft verabschieden. Auch hier ist Microsoft natürlich immer noch federführend und mag derzeit in vielen Bereichen wirklich nicht ersetzbar sein. Aber es geht darum, dass es Alternativen gibt und diese auch genutzt werden.

Cashcow "Office"

Die Situation bei Office ist nicht unähnlich, aber noch entspannter. Zwar steigt die Beliebt- und Bekanntheit von OpenOffice stetig, aber die AnwenderInnen in den Firmen können oder wollen noch nicht auf freie Alternativen zu Microsoft Office wechseln. Das Zusammenspiel der einzelnen Bausteine im Microsoft-Universum hat die AnwenderInnen träge gemacht. Träge wie auch Microsoft, wenn keine Konkurrenz in der Nähe ist.

Online

Nachdem Microsoft in sein kommendes Windows Vista die Desktop-Suche als fixen Bestandteil integriert hat, ist damit zu rechnen, dass sich Anbieter wie Google nun in der anderen Richtung entwickeln werden und ihre Produkte - Writely und Spreadsheet als Offline-Versionen bereit stellen könnten. Allerdings gab es dazu noch keinerlei offizielle Statements.

Die Viren

Mit dem Einstieg ins Virengeschäft hat sich Microsoft in Form von Symantec einen potenten Feind gemacht. Allen Ankündigung zum Trotz, rechnet der Anti-Viren-Hersteller nicht damit, dass Microsoft seine KundInnen nicht behelligen würde und startete einen Rechtsstreit.

Browser

Jahrelang hatte Microsoft keine Ideen für den Internet Explorer oder wollte diese zumindest nicht mit der Öffentlichkeit teilen, nachdem Erfolg von Firefox, Opera und Co. kommt nun endlich der Internet Explorer 7. Viel zu spät, sagen die einen, genau richtig sagen die Anderen, denn wenn keine Konkurrenz zu finden ist, warum EntwicklerInnenkräfte und Geld in diesen Bereich buttern? Ob richtig oder falsch - der IE7 kommt nun und nun muss auch der freie Mitbewerb wieder Gas geben.

Bill Gates als Firefox-User

Unter den Millionen von UserInnen, die sich den Firefox-Browser auf ihren Rechner geladen haben, ist auch Microsoft-Gründer Bill Gates zu finden. In einem Interview meinte Gates: "ich habe mit ihm (Firefox, Anm. d.Red.) etwas herumgespielt. Aber es ist einfach nur ein weiterer Browser, der Internet Explorer ist besser. Es wird so viel Software aus dem Internet geladen, aber wer verwendet diese dann auch wirklich?", so Gates.

Apple will ein Stück

Auch Apple hat seinen Teil dazu beigetragen, um Microsoft unter Druck zu setzen. Das lukrative Geschäft mit iPod und iTunes hat das Interesse von Microsoft geweckt, aber erst muss ein attraktiver Musikplayer auf den Markt kommen und dann wird sich zeigen, ob Microsoft mithalten kann.

Nokia und Handys

Und dann ist da zu guter Letzt auch noch der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia, der mit seiner eigenen Software auf seinen Handys Microsoft auch hier den Weg zum Erfolg nicht gerade geebnet hat.

Netscape

Wie das Rennen ausgehen wird, kann derzeit wohl niemand sagen. Alle Meldungen in diese Richtung sind nicht mehr als reine Spekulation. Aber die Alternativen zu Microsoft Produkten waren wahrlich noch nie so erfolgreich und so vielfältig wie heute. Wer immer über eine Trendwende am Markt und die drohenden Probleme von Microsoft redet und damit nicht auf offene Ohren stößt, zitiert ein Bild aus der Vergangenheit: Auch Netscape war einmal alleiniger Marktführer, aber dann kam Microsoft. Auch wenn die Voraussetzungen nicht unbedingt die gleichen sind, Microsoft wird aufholen müssen. Bill Gates muss seine Strategie neu ausrichten; aber Microsoft hat genug Potenzial und Möglichkeiten und der Gegenschlag hat schon begonnen.(Gregor Kucera)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Microsoft steht am Scheideweg: In welche Richtung soll es nun gehen?

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