AK OÖ will "kräftige Lohnrunde"

4. Oktober 2006, 11:19
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Präsident Kalliauer sieht "gute Voraussetzungen" für Anhebung der Löhne - Forderung nach Beteiligung der Arbeitnehmer am wachsenden Wohlstand

Linz - Die Arbeiterkammer Oberösterreich tritt für eine "kräftige Lohnrunde" im Herbst ein. Ihr Präsident Johann Kalliauer sieht dafür unter anderem wegen steigender Unternehmensgewinne "gute Voraussetzungen", wie er in einer Pressekonferenz über die aktuelle Einkommenssituation am Montag in Linz erklärte.

Der Arbeiterkammer-Präsident rechnete unter Berufung auf Daten unter anderem der Statistik Austria, der Gebietskrankenkasse und des Sozialministeriums vor, dass die Wirtschaft wachse und der Reichtum steige, aber nicht alle Bevölkerungsteile davon profitieren würden. So seien die Gewinne in den vergangenen zehn Jahren um zwei Drittel gestiegen - besonders rasant bei den börsennotierten Unternehmen, wo sie seit 2001 um 318 Prozent gewachsen seien. Zudem habe eine Umfrage bei Betriebsratsvorsitzenden ergeben, dass mehr als 70 Prozent die derzeitige Lage als gut oder sehr gut bewerten, und 34 Prozent davon für nächstes Jahr mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage rechnen.

Gleichzeitig seien die Beschäftigtenzahlen nur wenig gestiegen oder sogar zurückgegangen. Netto und real - also inflationsbereinigt - habe ein oberösterreichischer Arbeitnehmer im Jahr 2004 durchschnittlich um 1,8 Prozent weniger auf dem Lohnkonto als zehn Jahre davor. Der Reichtum steige, aber ein immer größerer Anteil der Arbeitnehmer nehme daran nicht teil, kritisierte Kalliauer. Rund eine Million der acht Millionen Einwohner Österreichs sei armutsgefährdet, 250.000 von ihnen sogar, obwohl sie erwerbstätig seien.

Das berge sozialen Sprengstoff in sich, habe ungünstige Auswirkungen auf die Inlandsnachfrage und damit die gesamte Wirtschaftsentwicklung, warnte Kalliauer. Er fordert unter anderem eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer am wachsenden Wohlstand durch kräftige Lohn- und Gehaltssteigerungen im Herbst und parallel dazu eine Steuerentlastung kleiner und mittlerer Einkommen. Die Negativsteuer - die vom Finanzamt ausbezahlte "Steuergutschrift" für Kleinverdienende - sollte auf 220 Euro verdoppelt werden.

Wirtschaftskammer widerspricht AK

Die Wirtschaftskammer Oberösterreich hat in einer Presseaussendung am Montag der Arbeiterkammer widersprochen, die gute Voraussetzungen für eine "kräftige Lohnrunde" im Herbst gesehen hatte: Es gebe keinen Grund für "überdimensionale" Lohn- und Gehaltserhöhungen.

Der Präsident der Wirtschaftskammer Oberösterreich, Rudolf Trauner, erklärte, wenn eine relative Minderheit von Unternehmen, allen voran börsenotierte, auf zufrieden stellende Gewinnentwicklungen verweisen könnten, dann sollten sich darüber die Beschäftigten und die Arbeiterkammer genauso freuen wie die Unternehmer beziehungsweise Manager. Denn ein Gutteil dieser Gewinne würde wieder in Investitionen, in die Standortsicherung, in Exportaktivitäten und damit letztlich auch in die Arbeitsplatzsicherheit gesteckt.

Die allermeisten Unternehmen, angefangen vom Kleinstbetrieb über mittelständische Betriebe bis hin zu Großbetrieben würden von derartigen Gewinnentwicklungen leider nichts verspüren. Eine überdimensionale Erhöhung der Löhne und Gehälter sei daher aus gutem Grund strikt abzulehnen. Man sollte daher von derartigen Ansagen Abstand nehmen und die Lohn- und Gehaltspolitik wie schon seit Jahrzehnten den Kollektivvertragspartnern überlassen, riet Trauner.(APA)

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