Deutsche Telekom schließt weiteren Stellenabbau nicht aus

2. Oktober 2006, 13:11
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Internet-basiertes Netz braucht weniger Personal - Ricke droht mit Stopp des VDSL-Ausbaus - "FTD": Konzentration der Vertriebsmacht bei T-Mobile-Chef

Hamburg - Bei der Telekom sind offenbar weitere Arbeitsplätze in Gefahr. "Wir werden in allen Bereichen sparen", sagte Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Konkrete Zahlen würden im Dezember mit dem Aufsichtsrat diskutiert werden. Zugleich deutete Ricke an, dass es im Zuge der Umstellung auf den breitbandigen Internet-Anschluss bis zum Jahr 2012 zu einem Abbau von Arbeitsplätzen bei der Telekom kommen könnte. Zudem soll, wie die "Financial Times Deutschland" schreibt, der gesamte inländische Vertrieb des Konzerns bei Rene Obermann konzentriert werden, dem Chef der Handysparte T-Mobile.

Es sei richtig, dass die so genannte IP-Technologie mit deutlich weniger Arbeitskräften auskomme als die bisherigen Netze, wird Ricke im "Spiegel" zitiert: "Solchen betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten werden wir uns angesichts des verschärften Wettbewerbs nicht verschließen können." Vieles werde jedoch auch davon abhängen wie die politische Regulierung weiter gehe. Möglich wird dem Bericht zufolge die flächendeckende Bereitstellung durch die Umstellung des alten Telefonnetzes der T-Com auf ein Internet-basiertes Netz.

Ricke drohte erneut damit, den geplanten Ausbau seines milliardenschweren Hochgeschwindigkeitsnetzes (VDSL) endgültig zu stoppen und die Investitionen stattdessen ins Ausland zu verlagern. Hintergrund ist der seit Monaten schwelende Streit zwischen Telekom und der EU-Kommission über die Frage, ob dieses neue Netz aus der Regulierung ausgeklammert oder aber unter Aufsicht der Regulierungsbehörden gestellt wird. Für diesen Fall könne es nur eine Konsequenz geben, sagte Ricke: "Wir stoppen die Investitionen und bauen die dort aus, wo Spitzentechnologie willkommen ist.

Der Telekom-Chef, der wegen einer Gewinnwarnung in der letzten Zeit in die Kritik geraten war, betonte zugleich, dass er bei der letzten Aufsichtsratssitzung großen Zuspruch erhalten habe. "Auch vom Bund kam keine Kritik." Auch mit dem zweiten Großaktionär, dem Finanzinvestor Blackstone, verbinde das Unternehmen das Interesse, den Aktienkurs nach oben zu bringen.

Ricke räumte allerdings ein, dass die Telekom wie die gesamte Branche auch die Wachstumsmöglichkeiten in Deutschland falsch eingeschätzt habe. So sei man im vergangenen Herbst noch davon ausgegangen, dass der Mobilfunkmarkt in Deutschland um etwa 5 Prozent wachsen werde. "Tatsächlich gab es im ersten Halbjahr überhaupt kein Wachstum mehr", sagte der Manager. Gelassen reagierte Ricke auf die Frage, ob der Aufsichtsrat bei seiner Sitzung im November seinen in einem Jahr auslaufenden Vertrag verlängern werde. "Mein Ziel ist es, die Telekom auch weiterhin gut durch stürmische Zeiten zu steuern. Mein Vertrag ist dabei nebensächlich."

Tiefgreifender Management-Umbau

Der Management-Umbau bei der Deutschen Telekom ist nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) noch tiefgreifender als bisher bekannt. Nach Angaben mehrerer mit dem Vorgang vertrauter Personen solle René Obermann, der Chef der Handysparte T-Mobile, in Zukunft den gesamten inländischen Vertrieb des Konzerns leiten, schreibt die Zeitung in der Montagausgabe. "Er ist jetzt de facto der Vertriebschef", wird ein Telekom-Manager zitiert.

Ricke hatte vor gut einer Woche die Aufgaben im Vorstand neu verteilt, um den Telefonkonzern wieder handlungsfähig zu machen. Die Telekom hatte im ersten Halbjahr eine Million Kunden verloren und musste im August die Gewinnprognose für 2006 und 2007 reduzieren. Bei der Neuverteilung bekam Obermann nach offiziellen Telekom-Angaben lediglich die Verantwortung für die 500 T-Punkt-Shops zugeteilt. Ricke will in Zukunft Markenauftritt und Werbebudget selber steuern.

Den "FTD"-Informationen zufolge soll Obermann fortan jedoch auch den Direktvertrieb sowie sämtliche anderen Vertriebskanäle steuern. Die bisher weitgehend unabhängige Festnetzsparte T-Com werde damit in Zukunft viele Entscheidungen nur noch in Abstimmung mit dem T-Mobile- Chef treffen können, heißt es. Ein Unternehmenssprecher wollte die Informationen nicht kommentieren, schreibt die Zeitung. Er sagte lediglich: "Es gibt keine organisatorischen Umstrukturierungen. Es gibt einfach Teamwork." (APA/AP/dpa)

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