[dag] Fangprämie

3. Oktober 2006, 17:42
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Im Obi-Baumarkt in Leibnitz in der Steiermark hängt an der Kassa ein Zettel mit einer auffälligen Botschaft. Ein bisschen klingt es nach einem verhatschten Wahlkampfslogan für Westenstrache (die Kurzform ist Armin Thurnher entliehen). Vielleicht war's aber auch nur der schwüle Spätsommer. Jedenfalls steht dort: "Jeder Diebstahl wird zur Anzeige gebracht. Wir verlangen außerdem die Erstattung der Fangprämie." Um die zweite Aussage in ihrer Tragweite zu begreifen, sollte man sie in ihre Einzelteile zerlegen. "Erstatten": jemandem die Unkosten ersetzen. "Prämie": Belohnung, Preis. "Fang": Beute, Greifvogelfuß, Reißzahn eines Raubtiergebisses.

Bei Obi in Leibnitz kriegt man also offenbar eine Belohnung, wenn man einen Greifvogel (Ladendieb) am Reißzahn (Krawattl) gepackt hat. Man muss dafür aber leider die Unkosten ersetzen. Das kann im besten Fall heißen: Man muss die Ergreiferprämie wieder zurückzahlen. Schlimmer noch, wenn der "Greifvogel" schon Schaden angerichtet hat, für den muss der Ergreifer ebenfalls aufkommen. Was soll dieses straffeindliche Prinzip? Macht dann Raubtierfang überhaupt noch Spaß? Westenstrache, bitte tun Sie was! (Daniel Glattauer/DER STANDARD/Printausgabe, 11.09.2006)

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