Augenzeugen: Polizei ging brutal und willkürlich vor

4. Oktober 2006, 10:57
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Berichte über Schläge und Fußtritte gegen Protestanten - Innenminister lehnte Stellungnahme ab

Helsinki - Augenzeugen haben der finnischen Polizei bei der Auflösung einer Protestkundgebung gegen den ASEM-Gipfel am Samstagabend in Helsinki unnötig brutales Vorgehen sowie Willkür vorgeworfen. Laut zahlreichen am Sonntag unter Journalisten und im Internet kursierenden Augenzeugenberichten sollen Polizisten Demonstranten und möglicherweise auch unbeteiligte Schaulustige geschlagen und getreten haben. In mindestens einem Fall wurde beobachtet, wie ein Polizeihund zubiss. Unter den in Polizeigewahrsam genommenen Personen dürften sich auch unbeteiligte Passanten befinden.

Druck auf Medien

Eine Reporterin der Helsinkier Tageszeitung "Hufvudstadsbladet" sagte der APA, sie sei vor Ort von der Polizei an der Arbeit gehindert worden. Ein Fotograf der selben Zeitung gab an, unter Druck gesetzt worden zu sein, Fotos von dem Polizeieinsatz nicht zu veröffentlichen. Innenminister Kari Rajamäki lehnte am Sonntag eine Stellungnahme zu den Ereignissen vom Vortag gegenüber Medienvertretern vorerst ab.

Dutzende Personen festgehalten

Am Sonntag herrschte in Helsinki noch Unklarheit darüber, wie viele Menschen sich noch in Polizeigewahrsam befanden. Laut der finnischen Nachrichtenagentur STT wurden am Sonntag noch Dutzende Personen festgehalten. Lediglich Minderjährige seien von der Polizei noch in der Nacht auf Sonntag wieder freigelassen worden. Laut finnischer Gesetzeslage muss die Polizei innerhalb von 24 Stunden alle Festgehaltenen freilassen, wenn gegen sie keine konkreten Vorwürfe erhoben werden.

Angesichts der widersprüchlichen Angaben über den Ablauf der Ereignisse und Berichten über Verletzte forderte die Jugendorganisation der finnischen Linkspartei eine Untersuchung des Polizei-Einsatzes rund um eine angemeldete Demonstration der anarchistischen Plattform "Smash ASEM". (APA)

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