Ein Mann sieht rot

30. April 2007, 15:16
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Mitten im andalusischen Nichts, in der Nähe von Arcos de la Frontera, entstand unter der Leitung von Vicente Taberner eines der spannendsten Rotweinprojekte Spaniens. Ein Portrait

An sich ist Andalusien und im Speziellen die Provinz Cádiz in unseren Breiten (wohlgemerkt auch nicht in Spanien) ja nicht gerade bekannt für die Qualität seiner Rotweine. Klar gibt es mittlerweile einige durchaus erfolgreiche Rotweine (in wirtschaftlicher, nicht aber qualitativer Hinsicht) aus dieser Ecke Spaniens, die aber im besten Fall gerade einmal einen günstigen Trinkgenuss bieten, meist ohne dabei aber sehr interessant oder groß zu sein.

Mit dem Markteintritt (Ende diesen Jahres, bzw. Anfang nächsten Jahres) von Taberner und Taberner No. 1 der Bodega Huerta de Albalá wird sich das aber nachhaltig ändern.

15 Mio. Euro Investion

2000 - nach rund 15 Jahren Vorarbeit - von einer Gruppe von Privatinvestoren unter der Federführung von Vicente Taberner (der unter anderem in Deutschland eine Importfirma für hochwertige spanische Weine betreibt und bei Rey Fernando de Castilla in Jerez eine Beteiligung hält) ins Leben gerufen, investierte die Bodega bis heute rund 15 Mio. Euro in das Ziel, einen der besten Rotweine Spaniens, bzw. der Welt zu produzieren.

Die Grundlage für dieses Vorhaben bilden die 91 ha Land (vorwiegend Kalk, Ton- und Sandböden) - von denen mittlerweile 75 ha mit Syrah (60%), Merlot (20%), Cabernet Sauvignon (10%) und Tintilla de Rota (10%) bepflanzt sind - mitten im andalusischen Nirgendwo (km 12 an der Crta. CA – 5234). Das Land war in früheren Zeiten schon einmal, neben Obstbäumen, mit Wein bepflanzt, lag in den letzten Jahren allerdings brach. Diverse Bodenuntersuchungen, das Studieren der Klimaaufzeichnungen und diverse Tests brachten schließlich Vicente Taberner zu der Überzeugung, das hier – und nur hier – der ideale Platz für sein ehrgeiziges Projekt ist.

Der sich auf dem letzten Stand der Technik befindliche Kellereikomplex wurde von Mariano Taberner entworfen, mit dem Ziel, die Trauben möglichst schonend verarbeiten zu können und dabei das traditionelle Landschaftsbild nicht zu zerstören (im Hinblick auf viele andere Bodeganeubaten ein erwähnenswertes und zu lobendes Detail).

CI bis ins Detail

Wie wenig die Damen und Herren um Vicente Taberner bei diesem Projekt dem Zufall überlassen, lässt sich an Details, wie der Engagierung der Londoner Agentur Design Bridge, sehen, die unter anderem auch für Carlsberg, LVMH, Nestlé und die UEFA arbeitet und eine zeitlos klassische CI geschaffen hat, die sich vom Etikett über die Flaschen, bis hin zum kleinsten Türknopf durchzieht.

Prinzipiell wird es sich bei beiden Weinen in Zukunft um einen Verschnitt der eingangs erwähnten Rebsorten handeln, die beiden 2005er sind allerdings noch reinsortige Syrah, da die anderen Trauben den Qualitätsmaßstäben des Teams noch nicht genügten und daher verkauft wurden. In der Endstufe soll die Produktion dann rund 500.000 Flaschen ausmachen (davon rund 80.000 Flaschen Taberner No. 1).

Taberner und Taberner No. 1

Der Unterschied für den Taberner No.1 beginnt bereits im Weingarten mit einer wesentlich strengeren Auslese, der Ernte in kleineren Kisten, dem Durchlaufen des Selektionstisches, danach der Vergärung im 5.000 Liter Eichenfass im Gegensatz zu dem im Stahltank vergorenen normalen Taberner (die Verarbeitung der beiden erfolgt auch in 2 getrennten Bereichen) und letztlich durch die unterschiedliche lange Reifezeit in unterschiedlichen Barriques: rund 9 – 10 Monate in Sylvain und Mercier Medium plus für den Taberner und rund 15 – 18 Monate in Freres, Mercier und Demptos Reserva, ebenfalls Medium plus getoastet für den Taberner No. 1. Die Barriques werden in beiden Fällen maximal 3 Jahre verwendet und danach verkauft.

Wein ist Kunst

Vicente Taberner sieht sich in seiner Arbeit ähnlich einem Maler, der ein bestimmtes Bild im Kopf hat und der alles versucht dieses Bild entsprechend seiner Vorstellung auf die Leinwand zu bringen. Und man muss sagen, die beiden Bilder sind ihm gelungen (wobei das noch junge Alter der Rebanlagen in Zukunft auf noch größeres hoffen lässt).

  • Taberner 2005 (100 % Syrah)
    Frucht pur in der Nase, Preiselbeeren, Johannisbeeren, viele Kräuter, leichte Röstaromen, etwas Minze, dicht verwoben, am Gaumen sehr erfrischender Eindruck, stützende Säure, wieder dunkles Früchtemeer, geht auf und breitet sich aus, harmonische Tanninstruktur, kräftiger Körper mit perfekt integriertem Alkohol, bleibt sehr lange stehen, Johannisbeeren und Kräuter kommen wieder
    8 Punkte

  • Taberner No. 1 2005 (Fassprobe, 100 % Syrah)
    Wie sein kleiner Bruder dunkles Fruchtkonzentrat pur, hat alle Komponenten wesentlich konzentrierter, sehr wuchtig, fleischig, dabei fein ziseliert, ohne zuzuschmieren, „Trinkspaß“ geht auch hier nie verloren, feines Zedernholz dezent im Hintergrund, etwas schwarze Oliven, rauchige Specknoten, Mokka, mineralische Anklänge, wieder dunkler Früchtekorb, perfekte Harmonie Säure, Tannine und Alkohol, sehr langer, von Frucht und Röstaromen dominierter Abgang
    9 Punkte

    (Klaus Hackl)
  • Huerta de Albalá
    Ctra. CA – 5234 km 12
    11630 Arcos de la Frontera
    Tel. 647 746 048
    bodega@huertadealbala.com
    www.huertadealbala.com
    • Der klassische Bodegabau im Stile der Region beherbergt modernste Technik ...
      foto: huerta de albalá

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    • ... und feinste französische Eiche
      foto: huerta de albalá

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