[dag] Gammelpolitik

3. Oktober 2006, 17:36
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Wenn alle Medien zusammenhelfen, kann man gezwungen werden, sich für absolut nichts sagende Dinge zu interessieren, wie der Wahlkampf täglich beweist. Daneben gehen Themen von emotionaler Sprengkraft unter, Nachrichten, die die Menschen aufwühlen, ja bis in die Magengrube erschüttern und dort noch einmal kräftig umrühren. Jüngstes Beispiel: Gammelfleisch.

Haben Sie den Lastwagen gesehen, wie er die faulen Schnitzelberge in den Container kippte? Da hat es sogar noch aus dem Fernseher übel herausgerochen. Dazu der gruselige Hinweis: "Große Mengen der verdorbenen Ware wurden bereits verspeist." (Vielleicht war auch der Nachbar unter den Konsumenten, der mit dem grünen Gesicht.) Und dazu dieser herzhaft diabolische Ausdruck: Gammelfleisch. Welch großer Wortkompositeur, der sich des Gammelns der späten Sechzigerjahre entsinnte. Man hat es förmlich vor sich, das Fleisch, wie es faul herumlungerte, sich gehen ließ, auf sein Äußeres keinen Wert mehr legte. Unangepasst, heruntergekommen, verludert, wohlstandsverwahrlost: VERGAMMELT. - Wie die Politik, die uns in immer neuen TV-Runden als Frischfleisch verkauft wird. (Daniel Glattauer/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2006)

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