Management zwischen den Kulturen

2. April 2007, 13:12
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Über die sich wandelnde Rolle von Expatriates, internationale Karriereverläufe und die Chancen auf Repatriierung sprachen Experten im Karrierenforum

Neben Expatriates - jenen von ihren Unternehmen in ausländische Töchterfirmen entsandten Managern - diskutierten international erfahrene Manager zu Karrieren außerhalb des angestammten Heimmarktes. Was der Arbeitsplatzwechsel innerhalb einer Branche oder eines Konzerns, aber in verschiedene Länder, für den individuellen Karriereverlauf bedeute, darüber wurde ebenso lebhaft gesprochen wie über gesammelte - oft auch kuriose - Erfahrungen in Know-how- und Kulturtransfer als Manager in einem mehr oder wenigen fremden Umfeld. Spannend, zumal in der "Männerrunde" nicht wenig über Soft Skills gesprochen wurde - ein Themenbereich, der zu Unrecht eher weiblich konnotiert ist.

Es diskutierten Andreas Landgrebe, Managing Partner Ray & Berndtson CEE, Michael Krammer, Vorsitzender der Geschäftsführung bei e-plus, Anton Knett, Deputy President des Management-Boards der Bank BPH (BA-CA), Carlo Wolf, General Manager Austria und Managing Director Alpine Region bei Cisco Systems, und Jorgen Bang-Jensen, CEO des Mobilfunkanbieters One.

Rein quantitativ sei die Rolle der Expatriates - etwa im zentral- und osteuropäischen Raum - zurückgegangen, gibt Andreas Landgrebe einen kurzen Überblick. Nach einer ersten Transitionsphase greifen Unternehmen im Osten vermehrt auf lokale Ressourcen zurück. Qualitativ aber sei die Rolle der Expats wichtiger denn je, weil sie nun als Träger, Vermittler und Zusammenführer von Corporate Cultures enorm bedeutend seien. Waren sie noch zu Beginn der Osterweiterung als Know-how-Träger unverzichtbar, so habe sich die Rolle der Expats in jene der Kulturvermittler etwa zwischen Mutter- und Tochterkonzern oder in unterschiedlichen Konzernen derselben Branche verändert.

Heute sei jedes Management-Board international agierender Konzerne auch international besetzt, sagt Michael Krammer, der seit Jahresbeginn zwischen Düsseldorf und Wien pendelt. "Man sucht nach vergleichbaren Marktsituationen und begibt sich dann auf internationale Suche", sagt er. Wichtig auch deshalb, weil Konzerne dadurch, so Krammer, vermeiden, "im eigenen Saft zu braten". Anton Knett, heute in der Bank BPH in Warschau tätig und seit 15 Jahren als Expat "unterwegs", skizziert einen Umriss dessen, was sich aus seiner Sicht verändert hat: "Als ich im Jahr 1989 in Prag und mit nur wenigen Mitarbeitern eine Universalbank aufbauen sollte, war das eine reine ,Greenfield Operation'", sagt er. Das seien reine Know-how-Transfers gewesen, die von beiden Seiten gut angenommen wurden, so Knett, weil die Sachebene im Vordergrund gestanden sei.

Best Practice

Nur einige Jahre später, als die ersten Banken zum Verkauf angeboten wurden, sei man als Expat vor einer wieder anderen Aufgabe gestanden. Jener, die Kultur der Mutter wie der Tochter zu matchen, sagt er. Und auch "kulturell" war für den erfahrenen Banker einiges nachzuholen. So etwa auch, dass sich das Prager Best-Practice-Beispiel nicht 1:1 auf den kroatischen Markt umlegen habe lassen. "Von den Kulturunterschieden war ich anfangs fast schockiert, aber ich habe mich umgestellt", blickt Knett zurück.

Jorgen Bang-Jensen wiederum sieht sich nach neun Jahren am österreichischen Mobilfunkmarkt nicht mehr als Expatriate im ursprünglichen Sinn: "Wenn man länger als vier oder fünf Jahre vom Mutterkonzern weg ist, dann haben alle deinen Namen aus ihren Adressbüchern gestrichen", schmunzelt er. Er selbst fühle sich schon eher österreichisch, den Zugang zur österreichischen Mentalität aber musste auch er sich hart erarbeiten: "Ich habe oft gehört, ich sei ein schwacher Manager, weil ich - bevor ich Entscheidungen getroffen habe - länger überlegt habe. In Österreich aber werden Entscheidungen schnell getroffen und danach länger gerechtfertigt", so Bang-Jensen. Es führen beide Wege zum Ziel, man müsse lernen, sich auf die "andere" Kultur einzustellen.

Carlo Wolf ist vor rund zwei Jahren - dem Job folgend - von Italien nach Wien gezogen und bezeichnet Österreich als "die ideale Mitte zwischen Deutschland und Italien, was Kultur und Emotionalität betrifft". Es gebe viele und gute Gelegenheiten zum Networking - und wenn man die Hürde nach der Frage der Aufenthaltsdauer überwunden habe, seien die Österreicher auch weniger formell als die Italiener, sagt er. Als "Entwurzelter", wie der ursprünglich aus Mainz stammende Wolf sich selbst bezeichnet, lerne man schnell die Sensoren auf "Aufnahme" zu schalten, sein Umfeld genauer wahrzunehmen: "Man erkennt die jeweiligen Strukturen besser und schneller und lernt diese dann auch ineinanderfließen zu lassen, sie zu matchen", sagt er.

Know-How und Kultur-Transfer

Nach Know-how- und Kultur-Transfer stehe man als Expatriate nun vor der Frage, wie und ob die im Ausland gesammelten Best Practices in den Mutterkonzern rückgeführt werden könnten, so der Tenor. Eine neue Herausforderung und zugleich schwierig handzuhaben, sagt Jorgen Bang-Jensen - man müsse sehr vorsichtig bei derlei Vorhaben sein, zumal es einerseits nicht selten Friktionen zwischen Müttern und Töchtern gebe und man sich andererseits mit Verbesserungsvorschlägen an die Mutter nicht immer nur beliebter mache. Anton Knett, der im Zuge seiner Karriere bereits dreimal und unter nicht immer einfachen Umständen repatriiert worden sei, stimmt wie die anderen Diskutanten zu. Heute denken Unternehmen auch nicht mehr daran, Rückfahrtickets anzubieten, sagt er.

Vielmehr müsse man aufstrebende Manager darauf hinweisen, dass der Job im Ausland ein Karriere-Turbo sein kann, aber nicht sein muss. Man müsse den Weg ins Ausland, genauso wie die Aufgabe dort, auch wirklich wollen. Landgrebe: "Es ist ein Zwischenziel, das man nicht anpeilen soll in der Hoffnung, dass ein nächster Schritt folgen wird. Versprechen dieser Art sind nämlich sehr schwer einzuhalten." (haa, Der Standard, Printausgabe 9./10.9.2006)

  • Carlo Wolf, GM Austria, Managing Director Alpine Region, Cisco Systems Austria.
    foto: matthias cremer

    Carlo Wolf, GM Austria, Managing Director Alpine Region, Cisco Systems Austria.

  • Anton Knett, Deputy President
of the Management
Board, Bank BPH.
    foto: matthias cremer

    Anton Knett, Deputy President of the Management Board, Bank BPH.

  • Michael Krammer, Vorsitzender
der Geschäftsführung
e-Plus Mobilfunk.
    foto: matthias cremer

    Michael Krammer, Vorsitzender der Geschäftsführung e-Plus Mobilfunk.

  • Andreas Landgrebe,
Managing Partner
Ray & Berndtson CEE.
    foto: matthias cremer

    Andreas Landgrebe, Managing Partner Ray & Berndtson CEE.

  • Jorgen Bang-Jensen,
Chief Executive
Officer One.
    foto: matthias cremer

    Jorgen Bang-Jensen, Chief Executive Officer One.

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