"Gärtner statt Mechaniker"

9. Oktober 2006, 14:45
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Der diesjährige Non-Profit-Kongress gehört dem Thema Innovation. Zukunftsphilosoph Andreas Giger und Uni-Professor Nikolaus Franke im Gespräch

"Innovation wird oft verwechselt mit dem Druck, etwas ganz Neues zu schaffen", sagt der Schweizer Zukunftsphilosoph Andreas Giger. Es gehe aber meist nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern bestehende Räder neu ineinander greifen zu lassen, so Giger, der die Evolution als Bild für Innovation bemüht. Er beobachtet oftmals "Überforderung durch die Anforderung Innovation".

Auch der Zugang zum Thema Innovation, meist als springender Punkt für Unternehmen dargestellt, sei oft unrichtig: "Es wird viel zu mechanistisch betrachtet, man glaubt, es braucht ein System mit ein paar Regeln, und schon geht es." Tatsächlich brauche Innovation aber "mehr Gärtner als Mechaniker". Sie sei im Prinzip der Selbstorganisation enthalten und solle bloß möglichst wenig behindert werden. Etwa durch das Einpressen in zu simple Systeme.

Innovation benötige also quasi ein Biotop. Dazu gehöre ausreichend Autonomie – diese sei unabdingbare Basis. Giger: "Das ist natürlich schwierig, weil es mit mehr Risiko verbunden ist." Patentrezepte gebe es jedoch sicherlich keine, denn gerade Innovation bedeute das Durchbrechen einer Routine. Und die Grenze zur Kreativität? Diesen Punkt will sich Giger für seine Eröffnungsrede beim Kongress im Oktober aufsparen.

"Neues erzeugt Widerstände"

Nikolaus Franke, Professor am Institut für Entrepreneurship an der Wiener Wirtschaftsuni, beschäftigt sich mit den Widerständen gegen Innovation. Diese sei, so sagt er, natürlich immer etwas Neues. Und: "Neues erzeugt Widerstände." Franke zitiert Schumpeter, wonach Innovation ein Akt der schöpferischen Zerstörung sei. Altes also ersetzt, verdrängt werde. Franke: Irgendjemandem geht also etwas verloren. Meist ist der innerbetriebliche Widerstand auch der heftigste. Mitarbeiter fühlen sich bedroht, sehen sich entwertet.

Intuitiv, so Franke weiter, stünden Menschen Veränderungen negativ gegenüber. Dazu kämen Eitelkeiten, die in "Verkleidung" argumentativ die Innovation zunichte zu machen versuchen. Gutes Innovationsmanagement ist für ihn daher vor allem auch gutes Widerstandsmanagement. Franke "Erkennen, wo sie liegen und warum sie – wie ein Amen im Gebet – da sind."

Innovatoren müssten dazu lernen, mit Gegenwind umzugehen, bei Niederschlägen nicht beleidigt sein und eine Großzügigkeit an den Tag legen, die auch mehrere Gewinner zulasse, und vor allem: "Den Nutzen kommunizieren. Leute kaufen Problemlösungen." Dazu sollten die Rahmenbedingungen für Innovation gemischte Teams mit den jeweils benötigten Kompetenzen ermöglichen. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 9./10.9.2006)

Der diesjährige NPO-Kongress steht unter dem Motto "Innovationen in NPOs und in der öffentlichen Verwaltung", offeriert eine Mischung aus Praxis und Theorie und findet am 18./19. Oktober im Millennium Event Center in Wien statt.

Anmeldung: michaela.sramek@oeci.at oder elisabeth.halbritter@oeci.at, Tel.: (01) 368 68 78 230
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