Karlsplatz: Drogenangebote auch für unbeteiligte Passanten

5. Oktober 2006, 18:03
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Warten und Umschauen wird häufig als Interesse gedeutet - Derzeit sind in Szene Beruhigungsmittel gefragt

Um am Wiener Karlsplatz mit der Drogenszene in Kontakt zu treten, brauchen auch Unbeteiligte nur wenige Minuten. Was auch ein Journalist feststellen konnte, der kürzlich dort nach einem Zeitungskolporteur Ausschau hielt, um erste Exemplare mit dem Natascha Kampusch-Interview zu kaufen. Vermutlich gibt es nur wenige Orte, wo ein suchendes Umschauen auf solches Interesse stößt, wie an Wiens Drogenbrennpunkt.

Schon seit Jahren ist der Karlsplatz, namentlich die dazugehörigen unterirdischen Passagen, ein, wenn nicht der Brennpunkt der Szene. Wurden früher eher harte Drogen verkauft und gesucht, so sind es derzeit vornehmlich Beruhigungsmittel.

"Benzos"

Als Wartender sieht man sich beständig mit dem im Vorbeigehen genuschelten Angebot "Benzos" konfrontiert. Gemeint sind damit Benzodiazepine, eines der meistgebrauchten Beruhigungsmittel, das auch als verschreibungspflichtige Schlafmittel Einsatz findet.

Suchtkranken nehmen diese Pillen laut Wiener Drogenberatern allerdings in Überdosierung zu sich. Sie schlucken sie nicht, sondern lutschen sie, wovon ihnen kurzfristig wegen der Ummantelung der Pille blitzblaue Lippen und Zähne bleiben. Die Wirkstoffe werden durch die Mundschleimhaut schneller aufgenommen, wodurch komplexe Rauschzustände auftreten, die von Euphorie, Ekstase bis hin zur psychotischen Erlebnisverarbeitung reichen. Auch wenn das äußere Auftreten dies nicht vermuten lässt, nehmen sich die Konsumenten doch meist als sehr aktiv und schnell war.

Auch das Angebot "Langsame" ist oft zu hören. Es ist keine Beleidigung. Gemeint sind auch damit Beruhigungsmittel. (APA)

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