Wien soll für Fonds so wichtig werden wie Luxemburg und Dublin

10. Oktober 2006, 10:48
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Raiffeisen will flexibleres Umfeld - Was Dublin und Luxemburg für Westeuropa, soll Wien für Osteuropa-Fondsgeschäft werden

Wien - Die heimische Fondsindustrie bereitet einen Forderungskatalog an die künftige Bundesregierung vor. Der Inhalt: Wettbewerbs-Stärkung und Flexibilisierung des gesetzlichen und regulativen Umfelds analog zu Luxemburg oder Dublin. Es geht um Produkt- und Gebührengestaltung. Das Ziel: Österreich soll in den nächsten Jahren von einem Fondsimport- zu einem Fondsexportland werden. Nach Worten von Raiffeisen Capital-Management-Chef Mathias Bauer sollte Wien überhaupt zur "Fondshauptstadt" für Osteuropa und Südosteuropa werden.

Österreichs Fondsbranche habe das Potenzial, in den kommenden fünf bis zehn Jahren im Osten das zu sein, was Luxemburg und Dublin für Westeuropa seien, meint Raiffeisen. Die heimische Fondsindustrie habe da einen Startvorteil. Wesentliches Asset der Fondsanbieter: Die Mutterbanken mit ihren Riesen-Netzwerken in Osteuropa seien ein starker Vertriebsapparat, die Gesellschaften hätten großes Know how. Bei Raiffeisen Capital Management, der Raiffeisen-KAG, stammen schon jetzt 12 Prozent des Fondsvolumens - allerdings zwei Drittel des Neugeschäfts - von internationalen Kunden. 2015 will RCM ein Fondsvolumen von 100 Mrd. Euro haben, und davon sollen 40 Prozent aus dem Ausland kommen.

Profitieren können die Fondsanbieter im Osten von dem dortigen kräftigen Wirtschaftswachstum, zunehmendem Vorsorgedenken und überhaupt erklecklichem Aufholbedarf. Auch die Sparkultur sei in CEE eine ganz andere als in Österreich. "Dort ist der Sprung aus dem Nichts direkt in den Kapitalmarkt zu sehen", berichtete Bauer vor Journalisten in Wien. "Es gibt keine Sparbuchkultur wie in Österreich".

Bedeutung erkennen

In Österreich wünscht sich Raiffeisen, dass hier langsam die volkswirtschaftliche Bedeutung der Fondsbranche mit ihrer großen Wertschöpfung und ihren direkt und indirekt Tausenden Mitarbeitern erkannt wird. "Die wird hier noch nicht so gesehen", bedauert Bauer. Wenn von Seiten der Politik von Kapitalsammelstellen die Rede ist, seien da eher weniger die Fonds gemeint.

Den Vorwurf, auch von Seiten der Börse, wonach die heimischen Fonds zu wenig aktiv in heimische Aktien investierten, lässt Bauer nicht gelten. Die Nachfrage nach Instrumenten mit rein österreichischer Aktienzusammensetzung sei bescheiden. Und im Vergleich zu riesigen internationalen institutionellen Investoren sei die heimische Fondsindustrie auch relativ klein: RCM-Vorstand Gerhard Aigner ist "überzeugt, dass die finnische Fondsindustrie auch an Nokia weniger Anteile hält als internationale Fonds."

Obwohl der Aktiencrash im Mai und Juni auch bei den von Raiffeisen gemanagten Fonds ihre Spuren hinterlassen haben, ist RCM auch 2006 bisher doppelt so stark gewachsen wie der Marktschnitt, berichtete der Vorstand am Donnerstag Abend in Wien. Bis Ende Juli 2006 stieg das Fondsvolumen bei RCM um 6,4 Prozent auf knapp 37 Mrd. Euro. Im Vergleich: Der gesamte Fondsmarkt nahm in den ersten sieben Monaten um 3 Prozent auf 160,2 Mrd. Euro. Das bedeutete einen Marktanteilsgewinn für Raiffeisen um 0,7 Prozent seit dem Ultimo.

Volumenstreiber

Volumenstreiber blieben strukturierte Produkte. Der Trend zur Wertsicherung gehe absatzseitig zu Lasten klassischer Fondskonzepte. Vom 18. September an legt RCM einen neuen Garantiefonds auf. Für die Risikodiversifikation in diesem "Ertragsbasket" wurden fünf Fonds von Raiffeisen (Osteuropa-Aktien, Eurasien-Aktien, Pazifik-Aktien, Emerging-Markets-Aktien, Emerging-Markets-Rent) ausgewählt. Neu sei, dass in diesem Korb der Anteil der "risky assets" bis zu 100 Prozent - fünf "risiky" Fonds mit jeweils maximal 20 Prozent Anteil am Dachfonds - betragen könne. Bei normalen Garantiefonds sei dieser Anteil gesetzlich auf 50 Prozent beschränkt. (APA)

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