Skoceks Zeitlupe: Greißlersterben

5. Oktober 2006, 13:42
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Der Österreichische Fußballbund stolpert von Fettnapf zu Fettnapf

Das freundschaftliche Länderspiel am Sonntag in London zwischen Brasilien und Argentinien (3:0) wurde von 60.000 Zusehern genossen. Das Spiel wurde von zwei Sportrechteagenturen gestiftet, nämlich Kentaro, der die Managementlizenzen der brasilianischen Nationalmannschaft für weitere fünf Spiele im Jahr 2006 in Europa gehören, und Renova, Russlands größter Management-Firma, die alle Freundschaftsspiele Argentiniens bis 2011 gekauft hat. Renova zahlt Argentinien dafür 13 Millionen Euro. Allein die Ticketeinnahmen des Sonntagsspiels werden auf zwei Millionen Pfund geschätzt. Dazu kommen TV-Lizenzen bis zum Himmel.

Am Samstag vorher spulte Österreichs Team ein Freundschaftsspiel gegen Costa Rica (2:2) vor 270 Zusehern ab. Schuld an der Blamage sollen die Schweizer Ausrichter sein. Statt sich selbst beim Wort zu nehmen und mit der Vorbereitung auf die EURO 2008 anzufangen, stolpert der Österreichische Fußballbund von Fettnapf zu Fettnapf. Auch das Wiener Ernst Happel-Stadion hätte sich zum 75. Geburtstag eine heftigere Feier verdient gehabt als einen Auftritt der untoten Popgruppe Opus und der "Stars" Michael Konsel und Hermann Stessl.

Der ÖFB ist seit vielen Jahren nicht in der Lage, gemeinsam mit der Bundesliga die TV-Rechte zu vermarkten, um das Geschäft beider zu optimieren. Natürlich spielen Brasilien und Argentinien in einer anderen Liga als das ÖFB-Team, sie ziehen Kunden an, wo sie auch auftreten, sie sind Konzerne mit Bündeln von Marken. Der Greißler ÖFB hat mit der EURO 2008 das Geschäft seines Lebens vor Augen, und was tut er? Er sitzt hinter seiner Budel und greint. Wie heißt es so schön? Erst stirbt der Wille, dann das Werk. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 8. September 2006, Johann Skocek)

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