Kommentar: Party ohne Hausherr

2. Oktober 2006, 11:06
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Kanada, Ungarn, Costa Rica oder Venezuela: tiefstes Niveau, doch für das ÖFB-Team noch immer eine Nummer zu groß

Schön langsam gehen der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft die Partner aus. Ballesterisch niveauloseres als Kanada, Ungarn, Costa Rica oder Venezuela ist auf dem globalen Markt kaum aufzutreiben, und gegen sich selbst zu spielen gilt nicht. San Marino hat keine Termine frei, der Zwergstaat ist in der Qualifikation für die EURO 2008 engagiert. Spätestens nach dem 0:13 gegen Deutschland wird er es eher nicht schaffen. Liechtenstein hat sich erbarmt und prüft am 6. Oktober in Vaduz die ÖFB-Elite, also den Koveranstalter – vermutlich auch, um das eigene Selbstvertrauen zu stärken.

Ob das lustig ist, hängt vom Humor des Einzelnen ab. Dem gewöhnlichen österreichischen Nationalteamspieler sind Ironie und Witz mindestens so fremd wie die Fähigkeit zur Selbstkritik und der Ball an sich. Von einer Diskussion über Teamchef Josef Hickersberger ist abzuraten, er selbst wird sich an der Debatte kaum beteiligen, sein Präsident Friedrich Stickler sieht das genauso. Der frustrierte Vorgänger Hans Krankl hatte erklärt, man müsse eine Vision haben und "Wir werden Europameister" schreien. Realist Hickersberger spricht lediglich vom "Viertelfinaltraum", und er würgt es heraus. Vermutlich denkt er momentan: "Ziel muss sein, ein Tor zu schießen."

Die Erfolge des österreichischen Fußballs waren meist ein Produkt des Zufalls, da steckte kein Programm dahinter. Das Geschwafel über die Versäumnisse in der Nachwuchsarbeit nervt, es ist eben so, und die EURO 2008 nimmt darauf keine Rücksicht. Man darf jetzt nicht weinen oder auf das mäßig begabte Team einprügeln. Der am Fußball Interessierte soll sich lieber auf die Leistungen der 15 anderen Teilnehmer freuen. Denn oft sind jene Partys die besten, bei denen der Hausherr als Erster einschläft. Er kann ja jederzeit zufällig aufwachen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 8. September 2006, Christian Hackl)

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    Hickersberger hat den Zustand des Teams erfasst.

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