ORF-interne Turbulenzen um Kampusch-Interviews

9. Oktober 2006, 16:41
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Schwärzler-Mail: "Keine Verweise auf Inhalte von Fremdmedien, um nicht die eigenen Sendungen zu unterlaufen" - Wrabetz: Kommunikationsprobleme

Die ORF-internen Turbulenzen um die ersten Interviews mit Natascha Kampusch wurden am Donnerstag in einer Redakteurssitzung der Fernseh-Information nachbearbeitet. Rund um den Umgang mit dem Informationsmaterial gab es Unmut zwischen der ORF-Geschäftsführung und den Redakteursvertretern. Die ORF-Spitze gab die Linie aus, über Inhalte und Bilder zu den Kampusch-Interviews erst ab 20.15 Uhr, dem Beginn der Ausstrahlung des exklusiven ORF-Interviews, zu berichten.

So schrieb Online-Direktor Ronald Schwärzler gestern, Mittwoch, um 17.15 Uhr in einem Mail an Mitglieder der ORF On-Redaktion: "Soeben habe ich mit Dr. Lindner und Dr. Wrabetz gesprochen; beide haben (in gemeinsamer Abstimmung) urgiert, dass sich auch ORF.at an die in diesem Fall ausgegebene Hauslinie halten möge: keine Verweise auf Inhalte von Fremdmedien (Bilder von Bildern, etc.), um nicht die eigenen Sendungen, Berichterstattungen, etc. zu unterlaufen. Inhalte, Bilder somit erst ab 20:15 Uhr auf ORF.at."

Das Internet-Portal des ORF berichtete dennoch über die ersten Kampusch-Interviews in "News" und "Kronen Zeitung". Lediglich urheberrechtlich fragwürdige Fotos wurden vom Netz genommen. Die "Zeit im Bild 1"-Redaktion stellte sich ebenfalls gegen die "Hauslinie" und zeigte erste Ausschnitte aus dem ORF-Interview mit Kampusch. Begründet wurde die "Rebellion" intern mit dem öffentlich-rechtlichen Informationsauftrag beziehungsweise mit der Informationspflicht des Senders. Im ORF-Radio erlegte man sich indes Zurückhaltung in Sachen Vorab-Berichterstattung auf.

Der designierte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz dementiert am Donnerstag, dass die Berichterstattung über Fremdmedien untersagt worden sei. Dissens hab es über die Frage gegeben, ob und in welcher Form man in der "Zeit im Bild" Interview-Ausschnitte einsetzt. Hier wollte die ORF-Führung auf einen "Trailer" in der "ZiB 1" verzichten und die ersten Bewegtbilder von Kampusch lieber in einer "besonderen, der Würde des Augenblicks entsprechenden Form" einmoderiert wissen. In Summe ortete Wrabetz Kommunikationsprobleme. (APA)

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