Teamchef: "Werde nicht davonlaufen"

2. Oktober 2006, 11:06
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Hickersberger denkt nicht an Rücktritt und erhält Rückendeckung von ÖFB-Präsident Stickler und Generalsekretär Ludwig

Wien - Vier Niederlagen, ein Remis und 4:11 Tore! Österreichs Fußball-Auswahl hat auf dem Weg der sportlichen Vorbereitung auf die EURO 2008 noch immer nicht in die Erfolgsspur gefunden. Nach dem 0:1 gegen Venezuela fordern viele Leute im EM-Land den Kopf des Teamchefs, für den sich selbst die Frage eines Rücktritts nicht stellt. "Ich habe gewusst, auf was ich mich einlasse, ich wollte den Job", betonte Josef Hickersberger am Donnerstag in Wien.

"Ich gehe meinen Weg weiter"

Er werde all seine Erfahrung, sein Wissen und sein Können einbringen und diesen Job zu Ende führen. "Ich werde mit dieser Mannschaft weitermachen und nicht davonlaufen", erklärte der Niederösterreicher in seiner zweiten Teamchef-Ära, die vertraglich bis zum EM-Turnier in zwei Jahren läuft. Er sei kein Freund von Katastrophen-Denken, er beschäftige sich damit gar nicht. "Ich gehe meinen Weg mit internen Änderungen weiter."

Auch im Falle einer weiteren Niederlage am 6. Oktober in Vaduz gegen Liechtenstein werde er sich nicht von seiner Linie abbringen lassen. "Liechtenstein ist ein Gegner, den man schlagen muss, auch wenn er sensationelle Teilresultate vorzuweisen hat", sagte Hickersberger, der von ÖFB-Präsident Friedrich Stickler, der das 2:2 in Genf gegen Costa Rica noch als "zartes Pflänzchen" eingestuft hatte, nach wie vor volle Rückendeckung hat.

Der Präsident kündigt Gespräche an

"Wir werden über das Venezuela-Spiel reden müssen", kündigte der Lotterien-Chef kurz vor Mitternacht auf dem Flughafen in Basel an. Die ersten Worte wurden bereits auf dem Flug in 10.000 Meter gewechselt. "Es wird rauer. Liechtenstein wird ein ganz wichtiges Länderspiel. Wir werden uns ganz genau anschauen, wer den Weg zur EURO mitgehen will und wer nicht", erklärte Stickler nach der Landung in Schwechat.

Auch ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig, der wie sein Chef und die Ex-Internationalen Kurt Jara und Karl Skerlan die Häme der wenigen neutralen Zuschauer ("Österreich ist im Fußball noch schlechter als wir Schweizer im Skifahren") auf der Tribüne des St. Jakob-Park hatte ertragen müssen, erneuerte sein nach dem Ungarn-Spiel (1:2) geäußertes Vertrauen zu Hickersberger. "Ich sehe es pragmatisch, es hat keinen Sinn, ein öffentliches Scherbengericht zu halten."

"Weniger als fünf vor zwölf

Aber die Zeit sei jetzt gekommen, intern alles offen anzusprechen und zu diskutieren mit allen Betroffen und dann gemeinsam mit den Spielern. "Nach so einem Ereignis, einem klassischen Selbstfaller darf man nicht zur Tagesordnung übergehen. Man kann schlecht spielen und verlieren, aber nicht ohne Gegenwehr. Es ist schon weniger als fünf vor zwölf. Wir haben zwar noch genug Spiele vor uns für Korrekturen, doch man muss nun Klartext reden", sagte Ludwig gegenüber der APA - Austria Presse Agentur am Donnerstag.

Ludwig: Teamchef hat Rückendeckung

Der frühere Sportjournalist meint, dass es keine andere Lösung geben könne, als ehrliches und ernsthaftes Reden miteinander. "Den Teamchef darf man nicht alleinverantwortlich machen, er hat die Rückendeckung, doch wird in einer solchen Situation alles viel deutlicher angesprochen werden", kündigte Ludwig an. Dass der Kader schon wieder im Oktober, vom 1. bis 11. in Schruns-Taschagguns, zusammengezogen werde, nannte er in diesem Zusammenhang als idealen Anlass.

"Ende der Ausreden"

Den immer größer werdenden Druck müsse die Mannschaft, vor allem jeder einzelne Spieler, auf sich nehmen und mit diesem umgehen können. "Ich erwarte am 6. Oktober in Vaduz gegen Liechtenstein einen Ruck in der Mannschaft. Sie muss zusammenhalten, denn nur dann können wir gewinnen. Es ist das Ende der Ausreden gekommen, gefragt sind Ehrlichkeit und Einsatz", nannte der Wiener, was er in den nächsten Wochen von Österreichs besten Fußballern erwartet.

Im bisher letzten Auswärtsmatch gegen Liechtenstein, am 7. Oktober 2000 in der WM-Qualifikation, stolperte Österreich in Vaduz zu einem 1:0-Erfolg durch einen Treffer von Thomas Flögel in der 20. Minute. Das bisher letzte Duell mit dem Nachbar-Fürstentum endete am 25. April 2001 in Innsbruck 2:0, die Torschützen hießen damals Edi Glieder (44.) und Flögel (75.). (APA)

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