Bankkunde wird wie Hotelgast verwöhnt

16. Oktober 2006, 11:14
posten

Die Deutsche Bank besinnt sich wieder der Privatkunden und versucht in der Filiale mit Shop, Lounge, Kinderspielecke und Versorgungsstation für Hunde zu punkten

Berlin - Vor Jahren war das Shop-in-Shop-Konzept von Österreichs Großbanken versucht - und meist bald wieder eingestellt worden. Nun gehen die Deutschen an dieses Thema: Ob Brötchen, Eis, Handys oder Designer-Produkte - in der deutschen Bank der Zukunft werden nicht mehr nur Kredite und Sparbücher verkauft. Um den Privatkunden wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken, polieren die deutschen Banken nicht nur ihre Filialen auf. Einige Geldhäuser gehen mit ganz neuen Konzepten auf den Markt. Allen voran die Deutsche Bank. In ihrer Pilotfiliale in Berlin-Mitte gibt es derzeit neben einem Trendshop auch eine kuschelige Lounge mit Bibliothek, eine Kinderspielecke und eine Versorgungsstation für Hunde.

Der Kunde wird als Gast wie im Hotel empfangen. Die klassischen Bankprodukte - beispielsweise ein Sparvertrag als Geschenk - gibt es in schicken Blechschachteln im Regal. Und wer eine Beratung sucht, kann sich den Raum je nach persönlicher Stimmungslage nach Farbe und Ausstattung aussuchen. "Wir wollen den Bankbesuch so attraktiv wie möglich gestalten", betont ein Deutsche-Bank-Sprecher.

Die Berliner Q110-Filiale sei quasi Versuchslabor für ganz neue Konzepte. Dort bieten alle zwei Monate neue Partner ihre Produkte an. In München und Aachen seien bereits Filialen mit Bausteinen aus dem Q110-Projekt aufgerüstet worden. Geplant ist das ebenso an anderen Standorten, vor allem bei den Flaggschiffen des Unternehmens.

Das neue Konzept werde von den Bankkunden sehr positiv aufgenommen, heißt es in der Frankfurter Zentrale. Nachdem die Banken lange versucht haben, ihre Kunden an die SB-Automaten in den Vorräumen zu gewöhnen, sollen sie nun wieder in die Schalterhalle gelockt werden. "Das Privatkundengeschäft hat wieder mehr Gewicht, persönliche Beratung ist wieder gefragt", heißt es in der Branche unisono. Abzuwarten bleibt aber, ob mit Kuchen- und Kaffeeduft die Kunden angelockt oder eher vergrault werden. Allein der deutsche Primus Deutsche Bank hat im Vorjahr 150 seiner 770 Standorte renoviert. Heuer sollen weitere 80 Filialen aufgefrischt und mit völlig neuer Technik ausgestattet werden.

Die Dresdner Bank, in deren Filialen seit der Übernahme durch die Allianz auch Versicherungsberater sitzen, hat ihr Konzept überarbeitet. "Unsere Standorte sind frischer und moderner geworden und mehr nach den Bedürfnissen der Kunden ausgerichtet", sagt ein Sprecher.

Ebenso widmet sich die deutsche Commerzbank wieder mehr ihrem Privatkundengeschäft und der Beratung. In den vergangenen zwei Jahren wurden bereits 115 ihrer rund 800 Standorte in "Filialen der Zukunft" umgebaut, in der es den klassischen Bankschalter nicht mehr gibt. (dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.