Microsoft-Beratungsfirma will EU-Wettbewerbsexperten anheuern

16. Oktober 2006, 11:15
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Beamter war für die Leitung der Causa Microsoft vorgesehen

Ein für die Leitung des Microsoft-Falles bei der EU-Kommission vorgesehener Beamte will stattdessen für einen Berater des Softwareriesen arbeiten.

Beurlaubung

Mehrere mit dem Fall vertraute Personen sagten, Henri Piffaut habe eine Beurlaubung von der EU-Kommission beantragt, um für die Unternehmensberatung LECG zu arbeiten. Piffaut sei als neuer Leiter der Abteilung der Kommission vorgesehen gewesen, die sich mit dem Microsoft-Fall und anderen Hochtechnologieunternehmen beschäftigt. Der Wettbewerbsstreit mit Microsoft über Auflagen für Microsoft-Programme und Geldstrafen von inzwischen insgesamt rund 780 Millionen Euro ist der prominenteste Fall der EU-Kartellbehörde.

Persönliche Motive

Der Sprecher von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte, Piffaut habe um eine Beurlaubung gebeten und dies mit persönlichen Motiven begründet. Die Kommission habe über den Antrag noch nicht entschieden. Beurlaubte oder ausscheidende Beamte müssten eine Reihe von Auflagen einhalten, um Interessenkonflikte zu vermeiden, sate der Sprecher. Ihnen könne Kontakt mit der Kommission verboten werden. Von ihnen könne auch verlangt werden, nicht in oder für Unternehmen zu arbeiten, deren Fälle sie in ihrer Arbeit in der Kommission auf dem Tisch hatten.

Nachfolge

Der bisherige Leiter der High-Tech-Abteilung der EU-Wettbewerbshüter wurde in dieser Woche zum Leiter der Abteilung für Finanzdienstleistungen der Wettbewerbsbehörde ernannt. Piffault sollte im Oktober sein Nachfolger werden.

Der leitende Direktor der Unternehmensberatung LECG, Atilano Jorge Padilla, hatte Microsoft in den 90-er Jahren im Wettbewerbsstreit mit US-Behörden beraten und in einem im Internet veröffentlichten Vortrag im vergangenen Jahr die EU-Auflagen gegen Microsft kritisiert. Bei LECG hieß es am Mittwoch, es sei keine Stellungnahme zu erhalten.(Reuters)

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