Die deutschen Bundesländer bangen um ihre Lotto-Milliarden

2. Oktober 2006, 13:49
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Gesetzesinitiative soll das staatliche Monopol retten

Berlin - Sie wollen sich nicht geschlagen geben: Entsetzt von der Entscheidung des deutschen Bundeskartellamts, beim Lotto mehr Wettbewerb zuzulassen, rüsten sich die 16 deutschen Bundesländer derzeit für den Kampf um die Milliarden-Erlöse aus dem Glücksspiel. Denn es geht um Geld, auf das keiner verzichten will.

Obwohl auch in Deutschland Sportwetten immer beliebter werden, ist Lotto immer noch das mit Abstand am meisten betriebene Glücksspiel. Jeweils am Mittwoch und am Samstag können die Deutschen ihren Tipp "6 aus 49" abgeben und spülen so acht Milliarden Euro jährlich in die staatlichen Lotteriegesellschaften. Von dort geht ein Großteil weiter an die (die stets klammen) Kassen der Länder, denen die 16 Lottogesellschaften gehören. Den Markt haben sich die 16 Bundesländer feinsäuberlich untereinander aufgeteilt, privater Konkurrenz versuchen sie es so schwer wie möglich zu machen. Bis jetzt. Denn nun hat das Kartellamt eine Entscheidung getroffen, die einer Revolution gleich kommt: Es muss künftig mehr Wettbewerb im Lotto geben.

Private Konkurrenz

Das bedeutet: Die 16 Länder dürfen sich den Markt nicht mehr regional nach ihren Landesgrenzen aufteilen. In Zukunft kann also auch ein Berliner Bayern-Lotto spielen und umgekehrt – und wird dabei vermutlich Preisvergleiche anstellen. Denn die Bearbeitungsgebühren sind nicht überall gleich. Doch auch die 25.000 Lottoannahmestellen in Deutschland bekommen Konkurrenz. Künftig dürfen auch private Vermittler von Lotto (wie Fluxx, Faber oder Tipp24) Annahmestellen in Supermärkten oder Tankstellen errichten. Bisher mussten sie per Telefon oder Internet um ihre Kunden werben.

Hurtig haben sich nun die Länder zusammengetan, um das staatliche Monopol noch zu retten und basteln nun ein neues Lotteriegesetz. Einen ersten Entwurf gibt es bereits. Geplant ist ein weit gehendes Verbot für Werbung in Internet und Fernsehen für Glücksspiele, was natürlich die privaten Anbieter wesentlich stärker treffen würde als die seit Jahrzehnten am Markt tätigen staatlichen Anbieter. Offenbar soll auch die Anzahl der Annahmestellen reduziert werden. Natürlich passiert dies nicht des Geldes wegen, wie Gerhard Stratthaus (CDU), Finanzminister von Baden-Württemberg versichert: "Wir wollen die Spielsucht bekämpfen und das Glücksspiel kanalisieren." Doch Kartellamts-Chef Ulf Böge sieht keine Chance auf Erfolg. Deutschland habe gegen EU-Recht verstoßen und dies könne man auch durch ein neues Lottogesetz nicht rückgängig machen. (Birgit Baumann, Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2006)

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