Der Schweiz gehen die Uhrmacher aus

16. Oktober 2006, 11:14
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Die Zeit läuft: Bis zum Jahr 2010 sind rund 2.200 neue Fachkräfte erforderlich, Trainingsprogramme sollen den Beruf wieder attraktiver machen

Neuenburg - Die hochprofitable Schweizer Uhrenindustrie bangt um Uhrmacher-Nachwuchs. Bis zum Jahr 2010 seien rund 2.200 neue Fachkräfte erforderlich. Der Bedarf ergibt sich zu zwei Drittel aus dem kräftigen Wirtschaftswachstum und zu einem Drittel wegen des Ausscheidens aus Altersgründen. Dies berichteten die Schweizer Medien am Mittwoch. Der Arbeitgeberverband der Uhrenindustrie (CPIH) hatte dazu 117 Unternehmen befragt, die rund die Hälfte der insgesamt 41.000 Mitarbeiter der Branche stellen.

Die Experten gehen davon aus, dass in den nächsten vier bis fünf Jahren unter anderem rund 660 neue Uhrmacher, 480 Operateure (für Betriebsabläufe), 220 Ingenieure oder Techniker benötigt werden. Zudem werden etwa 240 Polierer, 220 Juweliere und Graveure gesucht. Um dies zu erreichen, sollen spezielle Trainingsprogramme für Ausbildung und Umschulung eingerichtet sowie Arbeitskräfte aus dem Ausland angeworben werden. Auch sollen die Lebensarbeitszeiten verlängert werden.

95 Prozent werden exportiert

Die Schweizer Uhrmacherindustrie hatte 1970 einmal 1.500 Firmen und rund 90.000 Mitarbeiter. Danach kam jedoch eine große Krise und die Industrie schrumpfte kräftig zusammen. Rund 95 Prozent der Schweizer Uhrenproduktion wird exportiert. Im Jahr 2004 betrug der Gewinn aus den Uhrenexporten neun Mrd. Dollar (7 Mrd. Euro) kein anderes Land erwirtschaftete mit dem Uhrenexport mehr Gewinn als die Schweiz. Dafür verantwortlich sind die teuren Luxusuhren, die einen großen Teil des Exportgewinns ausmachen. Betrachtet man die Anzahl exportierter Uhren liegt die Schweiz (25 Mio. Uhren im Jahr 2004) weit hinter China (eine Milliarde) oder Hong Kong (700 Millionen).

Die Schweizer Uhrenindustrie wird dominiert vom größten Uhrenhersteller der Welt, Swatch. Der Konzern hat gerade beeindruckende Halbjahreszahlen vorgelegt. Mit seinen 18 Uhrenmarken und mehr als 20 000 Mitarbeitern in über 50 Ländern erwirtschaftete dass Unternehmen 330 Mio. Franken (209 Mio. Euro) an Gewinn und damit 23,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz kletterte um 13,1 Prozent auf 2,3 Mrd. Franken. Zu den bekannten Uhrenmarken neben der "Swatch" selbst gehören auch Breguet, Blancpain, Glashütte, Omega, Rado, Longines und Tissot. (APA/dpa)

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