EU: Stärkstes Wachstum seit 2000

5. Oktober 2006, 18:59
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Gründe für die gute Nachricht sind hohe Investitionen, aber auch die boomenden Konsumausgaben. Einziges Risiko ist der Ölpreis - Mit Infografik

Brüssel - Starke Inlandsnachfrage nach Konsumgütern, aber auch boomende Investitionen im Unternehmensbereich bringen der EU das stärkste Wirtschaftswachstum seit dem Rekordjahr 2000. Das geht aus dem Zwischenbericht der EU-Kommission hervor, die sich auf Untersuchungen in den sechs größten EU-Ländern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien und Polen stützt. Diese Länder tragen 75 Prozent zum gesamten Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU bei.

In der gesamten EU wird das Wirtschaftswachstum nach diesen Berechnungen von Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia heuer 2,7 Prozent betragen, im Frühjahr ging die EU noch von 2,3 Prozent aus. Im Euroraum soll es heuer 2,5 Prozent Wachstum geben, zuvor lag die Schätzung bei 2,1 Prozent. Doch auch diese Prognosen seien noch eher konservativ angelegt, sagte Almunia. "Möglicherweise müssen wir noch einmal nach oben korrigieren."

Eine "gute Nachricht" für die Wirtschaft sei auch, dass der hohe Ölpreis derzeit nicht weiter die Kerninflation in die Höhe treibe – also Produkte des täglichen Bedarfs die hohen Energiepreise bereits beinhalten. Das nehme wiederum viel Druck von der der Europäischen Zentralbank, die Zinsen weiter zu erhöhen, meinte Almunia.

Die umfassendere Inflationsrate zeigt hingegen doch steigende Tendenzen: In der Eurozone soll die Inflation 2006 nun 2,3 Prozent betragen.

Positiv vermerkte der Wirtschaftskommissar auch, dass sich das Wirtschaftswachstum in den größten EU-Ländern "harmonisiere": Während im ersten Quartal 2005 Italien noch in einer Rezession steckte und Spanien stark wuchs, sei nun in allen untersuchten Ländern ein stabiles Wachstum zu beobachten. Als "neutral" schätzt die EU die Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland mit Jahreswechsel für die Konjunktur ein. Vorziehkäufe im letzten Quartal 2006 würden Einbußen im ersten Quartal 2007 kompensieren, und ab dem zweiten Quartal 2007 wären dann positive Wachstumsbeiträge durch die forcierte Budgetkonsolidierung zu erwarten. Eine Gefahr für die Prognosen gehe eigentlich nur vom Ölpreis aus, sagte Almunia: "Eine Eskalation im Nahen Osten kann natürlich den Preis weiter in die Höhe treiben, was die Inflation antreiben würde" und höhere Zinsen notwendig machte. Er forderte "nicht zu hohe Lohnabschlüsse", da diese die Inflation weiter anheizen würden. Etwas pessimistischer ist die EU für 2007, die Wirtschaft der Eurozone soll hier um 1,8 Prozent wachsen, vor allem die US-Wirtschaft soll ihre Schrittmacherfunktion weit gehend verlieren. (Michael Moravec, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.9.2006)

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    grafik: eu-kommission/standard
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