Hauptbeschuldigter in München beging Selbstmord

5. Oktober 2006, 12:30
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Ehefrau fand toten Firmeninhaber - 74-Jähriger hat sich erhängt - Polizei spricht von "Döner-Mafia"

München - Der Hauptbeschuldigte im "Gammelfleisch"-Skandal, der Münchner Großhändler Georg Bruner, hat sich das Leben genommen. Der 74-Jährige habe sich Mittwoch früh im Keller seines Münchner Wohnhauses erhängt und keinen Abschiedsbrief hinterlassen, berichtete die Polizei. Die Ehefrau habe ihn gegen 7.30 Uhr gefunden.

"Döner-Mafia"

Der Leiter der Münchner Sonderkommission "Kühlhaus", Josef Wilfling, sagte, die Ermittler seien "einer Art Döner-Mafia" auf der Spur. Bruner habe weltweit auch minderwertiges Fleisch gekauft und an 2.500 Kunden weiterverkauft. Das sei "ein unglaubliches Geflecht".

Der 74-Jährige sei am Mittwoch um 6.00 Uhr zum Frühsport in den Sportraum im Keller gegangen. Als er zum Frühstück noch nicht zurück gewesen sei, habe die Ehefrau nachgesehen und und ihn erhängt am Treppenaufgang gefunden. Der Polizei erklärte die Ehefrau, dass ihr Mann in den vergangenen Tagen sehr unter der Medienberichterstattung über den Skandal gelitten habe. Auch anderen Familienmitgliedern habe Bruner mehrmals Andeutungen gemacht, dass er den Druck nicht mehr aushalte, sagte Wilfling. "Er sah sich nicht ganz gerecht behandelt." Außerdem habe dem Betrieb offenbar schon vorher die Insolvenz gedroht.

Umetikettierungen

In Bruners Tiefkühlhallen hatten Kontrolleure bisher weit über 60 Tonnen ungenießbares Fleisch sichergestellt, sagte der Soko-Chef. "Es gab Umetikettierungen, Haltbarkeitsdaten wurden geschwärzt und überklebt." Der Betrieb habe tonnenweise Dönerspieße zum Teil kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums aufgekauft, teilweise jahrelang gelagert, aufgetaut, wieder eingefroren und Deutschland weit an fast 2.500 Kunden weiterverkauft. Neben Deutschland und Österreich ist laut EU-Kommission "Gammelfleisch" offenbar auch nach Tschechien, Dänemark, Frankreich, die Niederlande, Belgien, Italien und Luxemburg geliefert worden.

"Da zeichnet sich so eine Art Döner-Mafia ab", sagte Wilfling. Die genauen Strukturen von Händlern und Abnehmern seien ziemlich verwirrend, "da stehen wir noch ganz am Anfang", sagte der Chefermittler. "Es wäre aber unfair, alle Dönerbuden unter Generalverdacht zu stellen." Nur ein kleiner Teil versuche sich mit kriminellen Methoden zu bereichern.

Bruner habe weltweit bis nach Thailand und Brasilien Fleisch aufgekauft. Es sei dann zum Teil jahrelang gelagert, aufgetaut und weitervertrieben worden. "Er hat minderwertige Ware für teures Geld verkauft", betonte Wilfling. Insgesamt seien in seinen Kühlhallen zuletzt 400 Tonnen Lebensmittel, hauptsächlich Fleisch, gewesen. (APA/AP/Reuters)

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    Polizeibeamte bewachen in einem Vorort von München das Haus des Fleischgroßhändlers Georg Bruner, der nach der Aufdeckung des jüngsten Gammelfleisch-Skandals Selbstmord begangen hat.

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