Stumpf und Pecik basteln an Schweizer Industriekonzern

5. Oktober 2006, 16:08
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Ehemalige Unaxis will Mehrheit bei Saurer erwerben - Hedge-Fonds verkauft Saurer-Aktien um 120 Franken an Victory, Streubesitz soll 93 Franken erhalten

Pfäffikon/Zürich/Wien - Der Schweizer Mischkonzern Oerlikon, die ehemalige Unaxis, ist am Dienstag überraschend in den Ostschweizer Traditionskonzern Saurer eingestiegen und hat angekündigt, ein Angebot für die börsenotierte Firma legen zu wollen. Aus einem Zusammenschluss soll eine Industriegruppe mit zusammen 18.500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von etwa 4 Mrd. Franken (2,5 Mrd. Euro) hervorgehen.

Die börsenotierte Oerlikon - davor Unaxis bzw. Oerlikon Bührle - wird zu mehr als 50 Prozent von den beiden österreichischen Investoren Georg Stumpf (Millennium Tower) und Ronny Pecik kontrolliert. Der bis dahin ebenfalls involvierte Mirko Kovats war zu Jahresbeginn aus der Unaxis-Eigentümergesellschaft Victory ausgestiegen. An der börsenotierten Unaxis/Oerlikon ist mittlerweile auch der russische Milliardär Victor Vekselberg mit etwa zehn Prozent beteiligt.

Am Dienstagabend hat Oerlikon ein 26-Prozent-Paket an Saurer von der britischen Hedge-Fonds-Gesellschaft Laxey übernommen. Daneben hält Oerlikon Optionen auf weitere 20,97 Prozent an Saurer. Oerlikon bietet den Aktionären von Saurer 93,42 Schweizer Franken pro Saurer-Aktien, was dem Mindestpreis nach schweizerischem Übernahmerecht entspricht. Am Dienstag reagierte die Saurer-Aktien mit Abschlägen von 3,7 Prozent auf 110 Franken bis 15.00 Uhr auf die Ankündigung dieses Angebots.

Passende Geschäftsfelder

"Die Geschäftsfelder von Saurer und Oerlikon passen hervorragend zueinander", erklärte Stumpf, Präsident des Oerlikon-Verwaltungsrats. "Oerlikon und Saurer sind beides Anlagen- und Maschinenbauer mit hohem gemeinsamen Entwicklungspotenzial", so Thomas Limberger, CEO der Oerlikon Gruppe. "Wir formen einen neuen schweizerischen Technologiekonzern, der sich durch führende Marktpositionen in allen Geschäftsbereichen auszeichnen wird."

Die Saurer AG ist mit ihren Geschäftsbereichen Textilmaschinen sowie Getriebe- und Antriebstechnik Weltmarktführer und erzielte 2005 mit 12.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,43 Mrd. sFr (1,53 Mrd. Euro) und ein Betriebsergebnis (Ebit) von 137 Mio. sFr. Der Mischkonzern Oerlikon hat im vergangenen Jahr mit 6.400 Beschäftigten 1,6 Mrd. sFr Umsatz gemacht. Der Ebit-Verlust belief sich auf 43 Mio. Franken.

Die im Jahr 1853 gegründete Saurer hat in den vergangenen 20 Jahren eine turbulente Geschichte mit zahlreichen Eigentümerwechseln, Akquisitionen und Verkäufen von Unternehmensteilen hinter sich gebracht.

Hedgefonds-Einstieg

Mitte 2005 war erstmals der auf der Isle of Man ansässige Hedgefonds Laxey Partners eingestiegen, der seinen Anteil danach auf mehr als 25 Prozent ausgebaut hatte. Die Beteiligungsgesellschaft, die unter anderem einen Kapitalschnitt und die Ausschüttung einer hohen Sonderdividende gefordert hatte, war im Konflikt mit anderen Großaktionären sowie dem Saurer-Management gelegen.

Das Engagement eines industriell orientierten Großaktionärs wie Unaxis sei seit längerer Zeit ein Anliegen des Saurer-Verwaltungsrats gewesen, hieß es laut sda am Mittwoch aus dem Kontrollgremium von Saurer. Mit dem Verkauf an Oerlikon ist ein monatelanger Machtkampf um Sauer mit einem Paukenschlag zu Ende gegangen.

Der Einstieg Oerlikons soll mit verfügbaren Barmitteln und Fremdkapital finanziert werden. Das Management erwartet, dass sich die Transaktion finanziell positiv für die Aktionäre von Oerlikon auswirken wird. Laxey hat die Saurer-Aktien nach nach Angaben der Nachrichtenagentur AWP zu 120 Franken pro Stück verkauft. Das Gesamtpaket hat damit einen Wert von über 400 Mio. Franken (252 Mio. Euro). (APA9

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