Stottern im Verkehrsmotor

26. März 2007, 12:39
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Die Unstimmigkeiten um den Ausbau der Verkehrswege um Wien reißen nicht ab - Lang geplante Projekte könnten sich verzögern

Wien - Der Bau der Götzendorfer Schleife, die den Flughafen mit der Ostbahn und in weiterer Folge mit Bratislava und Budapest verbindet, könnte von der ÖBB auf die lange Bank geschoben werden. Das befürchtet jedenfalls der Wiener Verkehrsstadtrat Rudi Schicker (SP). Internen Quellen zufolge ist nämlich der Bau der zwölf Kilometer langen und 105 Millionen Euro teuren Hochleistungsstrecke im nächsten Rahmenplan der ÖBB, der am 13. September beschlossen werden soll, nicht mehr enthalten.

"Das ist das Dümmste, was man tun kann und gänzlich unverständlich," kritisiert Schicker im Standard-Gespräch und verweist darauf, dass sich die Bundesländer gemeinsam mit den ÖBB auf eine Vorfinanzierung der Planung durch die Länder geeinigt hatten. Die Götzendorfer Schleife sei insbesondere im Hinblick auf die internationale Anbindung des Flughafens und auch des künftigen Hauptbahnhofs in den Fernverkehr Richtung Osten und Süden unumgänglich. Wenn 2012 der Lainzer Tunnel fertig gestellt ist, könnten zudem alle Züge aus dem Westen direkt an den internationalen Reiseverkehr angebunden werden.

"Der Marchegger Ast ist die leistungsfähigere Verbindung, sowohl für Güter als auch für Personen," heißt es hingegen vonseiten der ÖBB. Das bedeute aber nicht, dass der Bau der Götzendorfer Schleife verzögert werde. Der Rahmenplan müsse schließlich erst im Verkehrsministerium abgesegnet werden.

Von dort kommen, wie berichtet, seit der gescheiterten Fusion des Flughafens Wien mit dem Flughafen Bratislava äußerst widersprüchliche Töne: Während sich VP-Staatssekretär Kukacka gleich nach dem geplatzten Deal für ein Vorziehen der nördlichen Bahnverbindung, also den Ausbau des Marchegger Asts, aussprach, beharrte BZÖ-(Noch-)Minister Hubert Gorbach auf der Götzendorfer Schleife als vorrangiges Projekt - so wie die Stadt Wien.

"Jede Verbindung, sowohl über den Marchegger Ast als auch über den Flughafen, hat eine Funktion und darf nicht gegen die andere ausgespielt werden," appelliert Schicker an die ÖBB.

Rückendeckung bekommt er vom Flughafen Wien und der Gewerkschaft der Eisenbahner, wo man sich auch über einen zum Teil privat finanzierten Ausbau der alten Pressburger Bahn von Wolfsthal nach Petrzalka ausspricht. Das wiederum ist für die ÖBB "kein verkehrspolitisches Zukunftsprojekt". "Es wird überall dort gespart, wo der politische Druck am geringsten ist," vermutet Gewerkschafter Claus Faber parteipolitische Scharmützel.

Teurer Lobau-Tunnel

Wahlkampfgeplänkel sieht auch Schicker, und zwar in den Unstimmigkeiten zur geplanten Untertunnelung des Nationalparks Lobau im Zuge der Errichtung des Regionenrings um Wien. Innerhalb der Asfinag sollen Zweifel wegen der hohen Kosten von 1,6 Milliarden Euro laut geworden sein, was BZÖ-Staatssekretär Eduard Mainoni Ende vergangener Woche zurückwies. Der 8,5 Kilometer lange Tunnel soll bis 2015 fertig gestellt werden und zu einer massiven Verkehrsentlastung im Wiener Stadtgebiet führen. (Karin Krichmayr, DER STANDARD - Printausgabe, 6. September 2006)

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    Seit Monaten wird darüber gestritten, welche Bahnstrecke am schnellsten nach Bratislava führen soll.

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