29. November 2006, 16:49
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Der geglückte Neubau der Kunst-Uni Mozarteum im sensiblen Ensemble von Mirabellgarten, Schloss Mirabell und Festungsblick ist offiziell fertig gestellt.

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Salzburg - Die "lange Leidensgeschichte" des alten Mozarteum sei endlich vorbei. Mit verständlichem Pathos fasste der designierte Rektor der Kunstuniversität Mozarteum Reinhart von Gutzeit - seit 1995 Rektor am Linzer Brucknerkonservatorium - am Dienstag bei einer symbolischen Schlüsselübergabe das zusammen, was in Salzburg viele hoffen: Für die krisengeschüttelte Kunst-Uni sollte mit dem Neubau am alten Standort Mirabellplatz und mit der Wahl des neuen Rektors die Zeit der baulichen Provisorien und der internen Intrigen endlich vorbei sein.

Das Mozarteum könne sich nun als Universität "in Europa neu aufstellen" und "international neu etablieren", kleidet der kommissarische Rektor Gottfried Holzer-Graf diese Hoffnung in Worte.

Er führt die Uni-Geschäfte, seit Rektor Roland Haas nach permanenten internen Querelen im September des vergangenen Jahres völlig entnervt zurückgetreten war. Von Gutzeit wird ab Oktober sein Amt antreten.

Der 40 Millionen Euro teure Neubau wurde notwendig, nachdem das alte Haus am Mirabellplatz wegen baulicher Mängel - Diagnose: "Sick-Building-Syndrom" - 1998 von den Behörden geschlossen wurde.

Zu viele Erkrankungen

Anlass der Schließung war eine nicht erklärbare, jedoch beängstigende Häufung von Erkrankungen bei Mozarteums-Mitarbeitern. Seither war die Kunstuniversität auf zwölf provisorische Standorte in Salzburg verteilt - darunter ein Einkaufszentrum und ein ehemaliges Möbellager. Dem internationalen Renommee der Universität war diese Lösung aber fraglos nicht förderlich.

Für die Sanierung - de facto wurde es ein kompletter Neubau - nach den Plänen des Münchener Architekten Robert Rechenauer wurde das alte, geschlossene Haus völlig entkernt und auf den Rohbau zurückgebaut.

Historische Substanz

Erhalten wurden aber jene denkmalgeschützten Fassaden des ehemaligen Borromäums, die auf einen Palast aus der Zeit von Fürsterzbischof Paris Lodron zurückgehen.

Im neuen Gebäude mit seinem charakteristischen als Solitär ausgeführten, würfelförmigen Konzertsaal hoch über dem Mirabellgarten findet ab kommenden Wintersemester die gesamte Musikausbildung des Mozarteums statt. Auf über 20.000 Quadratmetern Nutzfläche, in 110 Unterrichts- und Ensembleräumen ist Platz für bis zu 1500 Studierende. Ergänzt wird das Raum-Angebot durch eine knapp 500 Quadratmeter große Dachterrasse.

Dem breiten Publikum wird das neue Mozarteum bei einem Tag der Offenen Tür am 14. Oktober vorgestellt. Bis dahin muss auch die logistische Großtat Umzug endgültig über die Bühne sein. Es ist sozusagen Titanenarbeit, denn immerhin sind 160 Tasteninstrumente, zwei Orgeln, 240.000 Bücher, 150 Computer sowie rund 15.000 CDs, Videos und Schallplatten ins neue Haus zu übersiedeln.(Thomas Neuhold/DER STANDARD-Printausgabe 6.9.2006)

  • Das neue Mozarteum öffnet sich Studierenden und Besuchern - 20.000 Quadratmeter Nutzfläche, 110 Unterrichts- und Ensembleräume für 1500 Menschen.
    pressefotos.at/niko formanek

    Das neue Mozarteum öffnet sich Studierenden und Besuchern - 20.000 Quadratmeter Nutzfläche, 110 Unterrichts- und Ensembleräume für 1500 Menschen.

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