48 Stunden in Valencia

26. Juni 2000, 08:52

Ziemlich unbekannt, aber in vielen Beziehungen sehr kulinarisch. Schließlich wurde hier nicht nur die Paella erfunden, sondern hier wird auch ausgiebig gelebt und gefeiert.

Erster Tag

Das Leitmotiv der Stadt könnte "agua" heißen. Auf der Plaza de la Virgen symbolisiert ein von Tauben zwangsbesetzer Brunnen die acht Hauptkanäle des Umlandes, lebensnotwendig für den Reis- und Orangenanbau. Ebendort tagt, seit dem Mittelalter unverändert, das Wassergericht, das in Sachen Wasser jedes amtliche Gesetz overruled. Jeden Donnerstag Schlag 12 Uhr – und nicht einmal das Franco-Regime konnte das abstellen – schlichten acht Bauern-Vertreter eventuelle Streitigkeiten um das kostbare Nass. Das "Agua de Valencia" hingegen wird auf den Terrassen nahe der bemerkenswerten Kathedrale serviert und ist Orangensaft, Sekt und Wodka. Wir sind mitten in der Altstadt, eine ganz besonders große und teilweise noch recht renovierungsbedürftige. Was hingegen schon erneuert wurde, das prunkt und protzt, dass es eine Freude ist. Kunstvoll gemeißelte Glockentürme, alte Paläste, Kirchen und Klöster. Großartige Bürgerhäuser mit überreichem ornamentalem Schmuck. Der faszinierend-kitschige Palast Marqués de Dos Aguas ist heute das Keramik-Museum. Zwei Security-Guards mit Handschellen und Gummiknüppel pro Saal, die Erklärungen nur in spanisch und valencianisch. Da wird sich noch etwas ändern müssen, will man sich touristisch profilieren. Einzigartig ist die Seidenbörse, weil Gotik für Profanbauten eher selten verwendet wurde. Gegenüber der Mercado Central, ein Ensemble in reinem spanischen Jugendstil. Valencianer essen gerne und lang und das merkt man überall. Im Geburtsland der Paella ist sie im Restaurant La Pepica am Strand und im Raco de l' Olla am nahen Albufera-See natürlich ganz besonders authentisch.


Zweiter Tag

Valencianer böllern gerne und das rund ums Jahr. Es heißt ja, dass "jeder Bewohner Schwarzpulver in den Adern hätte". Am 19. März kulminiert eine Woche lautstarker Fiesta im Verbrennen der "fallas". 367 bis zu 20 Metern hohe Puppen aus Papiermaché und Holz, die Arbeit eines Jahres im Wert von -zig Millionen Pesetas, verglühen in einer orgiastischen Nacht. Heute, am 24. Juni, bestimmen Pulverdampf und heiße Rhythmen den Sommerbeginn und im August kämpfen dann die "Moros gegen die Christianos".

Zurück zum Wasser, der überschwemmungsfreudige Turia-Fluss wurde in den 50er Jahren umgeleitet, was blieb sind viele Brücken und sein breites Bett, das heute als Vergnügungs- und Erholungsstätte dient. Dort entsteht aktuell ein ehrgeiziges, architektonisch bemerkenswertes Projekt. La Ciudad de las Artes y las Ciencias soll zum neuen Mittelpunkt der modernen Stadt werden. Mit Konzertsaal und Kunstmuseum, mit Imax-Kino und Technik-Ausstellung, mit Aquarien und Delfinshows.
Fotos:. Susanne Mitterbauer

Anreise:
Tägliche Flüge mit Iberia via Barcelona.
Feste:
gibt es in der Region quasi dauernd. Liste entweder via Tourismusamt oder im Internet. Alle Feste zeichnen sich durch die reichliche Verwendung von Feuerwerkskörpern und Böllern aus und werden nicht nur für Touristen veranstaltet.
Sport:
jede Art von Wassersport, die Sandstrände sind lang und breit und alle öffentlich. 20 Golfplätze in der näheren Umgebung.
Umgebung:
Das Hinterland ist besonders interessant und
vielfältig, eine uralte Kulturlandschaft mit vielen Kunstschätzen und den "paradores". Das sind staatliche Herbergen in alten Gemäuern. (Infos am besten über das Tourismusamt). Buchungen sind besonders in der Hauptsaison empfehlenswert. Sprachprobleme gibt es wenige, deutsche und englische Langzeiturlauber und Pensionisten haben die Region längst für sich entdeckt.
Mitbringsel:
alte Handwerkstradition aus der Zeit der Mauren sind die bunten Keramiken und feines Porzellan.
Ebenso typisch sind Korb-und Flechtarbeiten.
Alkoholische Erzeugnisse sind preiswert.
Informationen:
Die Spanische Tourismuszentrale in Wien ist sehr zu empfehlen.
Tel (01) 512 95 80.
E-Mail: viena@tourspain.es
Webseite:
Spanisches Fremdenverkehrsamt
Tourist Info Valencia :
Tel. 0034 96 398 64 22

Ganz persönlich

Spanien, das heißt auch totale Umstellung der Essgewohnheiten. Gefrühstückt wird ja noch relativ karg. Ab 13 Uhr macht der Berufstätige drei Stunden Siesta, das heißt, alles ist geschlossen außer der Magen. Der Restaurantbesucher sitzt manchmal bis 17 Uhr an vollen Tischen. Gezwungenermaßen beginnt ein Abendessen dann nie vor 22 Uhr, eher später und endet weit nach Mitternacht. Für den kleinen Hunger zwischendurch bieten sich die berühmten Tapas an, die gar nicht so kleinen und vor allem mannigfaltigen Happen zu mehreren Gläschen Wein oder Sherry. Oder picksüßes Gebäck zum café solo oder der horchata (kühle Mandelmilch). Arr`oz (Reis) ist hier ein endloses Thema in jeder erdenklichen Ausformung, nicht nur als Paella mit reichlich all-i-olo-Mayonnaise. Glaubt man den Gerüchten und Gerüchen und sieht man die Einheimischen, glaubt man, dass die Valencianer quasi ununterbrochen essen.

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